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Inland
Justiz

Jugendrichter in Antwerpen dürfen straffälligen Jugendlichen Fußfessel anlegen lassen

Als Teil eines Pilotprojekts dürfen Jugendrichter in Antwerpen straffälligen Jugendlichen demnächst eine elektronische Fußfessel anlegen lassen. Abhängig vom Ergebnis könnte die Maßnahme nach einem Jahr schrittweise auf ganz Flandern ausgedehnt werden.

Martina Luxen
Veröffentlicht:

In Antwerpen darf das Jugendgericht straffällig gewordenen Jugendlichen demnächst eine Fußfessel für drei bis sechs Monate anlegen lassen. Das Flämische Zentrum für elektronische Überwachung wird zusätzliches Personal erhalten, um bis zu 80 Jugendliche ein Jahr lang mit einem GPS-Tracker zu überwachen. Gleichzeitig befolgen die Jugendlichen ein maßgeschneidertes Programm mit einem Zeitplan. 

Das Jugendgericht darf die elektronische Überwachung nur bei Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren anordnen. Ausgeschlossen sind Jugendliche, die des Totschlags, des Mordes oder der innerfamiliären Gewalt oder als Zuhälter oder Schlüsselfiguren im Drogenhandel verdächtigt werden.

Für das Pilotprojekt ist ein Budget von 1,2 Millionen Euro vorgesehen.

„Jugendkriminalität wird immer schwerer“

„Wir stellen fest, dass die Jugendkriminalität immer ernster wird“, erklärt Flanderns Justizministerin Zuhal Demir (Nationalisten, N-VA): „Zum Beispiel ist die Zahl der Jugendlichen, die illegale Waffen tragen, massiv gestiegen. Deshalb wollten wir die Gesetze verschärfen und den Jugendrichtern mehr Möglichkeiten geben.“

Die Fußfessel ist keine Strafe an sich, sondern eine Möglichkeit, um z. B. an einer Therapie teilzunehmen oder bestimmte Orte zu meiden.

„Jetzt bekommen viele straffällige Jugendliche Hausarrest, aber die Polizei kann sie nicht rund um die Uhr überwachen.

Die elektronische Überwachung geht mit einer maßgeschneiderten Intensivbegleitung einher, auch für die Eltern, betont nicht nur die Justizministerin, sondern auch ihre Amtskollegin Hilde Crevits (Christdemokraten, CD&V). Für sie geht es darum, den Jugendlichen zu helfen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen: „Das Personal bei der Fürsorgebehörde wird mit den Eltern, der Schule und anderen Personen zusammenarbeiten, die einen positiven Einfluss auf das Leben des jungen Menschen haben können. Ziel ist es, dass die Jugendlichen nach Ablauf der Zeit mit der Fußfessel besser in die Gesellschaft integriert sind als zuvor.”

Die Stadt mit den meisten straffälligen Jugendlichen

Es ist kein Zufall, dass das Pilotprojekt in Antwerpen gestartet wird, sagt Luc Versteylen, Jugendrichter in Antwerpen: „Hier haben wir die meisten jungen Leute, die angeklagt werden“, sagt er: „Es mangelt an freien Plätzen in den geschlossenen Einrichtungen. Aber mit einer elektronischen Fußfessel haben die Behörde trotzdem noch eine Handhabe und können die Jugendlichen zum Beispiel noch zur Schule gehen.”

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