Die Stiftung Eugeen Van Mieghem überträgt einen Großteil der Sammlung von Werken des Malers und Zeichners dem Königlichen Museum für Schöne Künste von Antwerpen (KMSKA). Die Stiftung möchte so den Nachlass des Künstlers für die Zukunft sichern. Van Mieghem, der das Leben im Antwerpener Hafen ungeschminkt darstellte, gehört zu den wichtigsten bildenden Künstlern in Flandern.
Die Stiftung ist in erster Linie durch das Eugeen Van Mieghem-Museum in Antwerpen bekannt, wo das Leben und Wirken des Künstlers beleuchtet wird. Das Museum bleibt auch nach der Schenkung eines Großteils seiner Sammlung bestehen, doch es ist zu klein, um den enormen Werk des Malers und Zeichners wirklich gerecht zu werden.
Das KMSKA kann mit dieser Schenkung eine enorme Lücke in der eigenen Kollektion füllen, denn bisher verfügte dieses Haus nur über 2 Gemälde von Van Mieghem und über 3 Zeichnungen. Und dies obwohl Eugeen Van Mieghem wohl der bekannteste Maler und Zeichner aus der Hafenmetropole in der Zeit von Anfang des 20. Jahrhunderts ist.
Die ständige Ausstellung des KMSKA wird kurzfristig um einige wichtige Werke Van Mieghems ergänzt. Schon jetzt plant das Museum aber eine große Werkschau des Künstlers für das Jahr 2025.
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Eugeen Van Mieghem (1875-1930) - Der Hafenmaler von Antwerpen
Van Mieghem wurde am 1. Oktober 1875 mitten im Antwerpener Hafenviertel geboren. Schon in seiner Kindheit lernte er das harte Leben an der Waterkant kennen. Van Mieghem saß in der Kneipe seiner Mutter im Hafenviertel von Antwerpen und zeichnete Porträts von zahlreichen Osteuropäern, die sich auf ihre Reise nach Amerika vorbereiteten. Er wurde der Maler der Menschen im Hafen: der Lastenträger, der Sacknäherinnen, der Auswanderer, der Schiffer und der Obdachlosen.
Oft waren es zerzauste Menschen, die auf der Flucht vor Armut und Verfolgung einen halben Kontinent durchquert hatten, um nach Antwerpen zu gelangen. Hundert Jahre später wiederholt sich die Geschichte, und erneut sind Menschen auf der Flucht vor dem Krieg in der Ukraine unterwegs.
Viele Osteuropäer setzten ihre Hoffnungen auf eine Reise nach Amerika an Bord der Schiffe der Red Star Line, die im flämischen Hafen ablegten. Viele der Zeichnungen sind über ein Jahrhundert alt, sehen aber aus, als wären sie erst gestern vor einem ukrainischen Bahnhof gezeichnet worden. Übrigens wird Van Mieghems Werk gerne mit dem von Käthe Kollwitz verglichen.
