Zum Hauptinhalt springen

Wann kommt das Pfandsystem für Dosen und Flaschen in Belgien?

Diskussionen zwischen den drei regionalen Umweltministern in Belgien zum Thema Dosen- und Plastikflaschenpfand laufen bereits seit geraumer Zeit. Ende März verlautete dazu, dass man „nur noch wenige Meter vor dem Ziel“ sei. Ob dies aber kurzfristig zu einer einvernehmlichen Regelung führt, sei dahingestellt. Bis 2025 soll es aber ein solches Pfandsystem in Belgien geben. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Seit rund 10 Jahren wird in Belgien über das Dosen- und Flaschenpfand debattiert, doch offenbar kommen sich die regionalen Umweltministerinnen Zuhal Demir (N-VA) für Flandern, Céline Tellier (Ecolo) für die Wallonie und ihr Brüsseler Amtskollege Alain Maron (Ecolo) in dieser Sache näher, wie die frankophone Tageszeitung La Libre Belgique unlängst meldete.

Bisher aber ist lediglich deutlich, dass man sich einigen möchte, doch was es denn werden soll, ist noch stets nicht klar. Demir plädiert für ein digitales System, während Tellier und Maron eher für ein klassisches Pfandsystem optieren, das dem klassischen und bereits hier angewandten Leergutsystem für Glasflaschen entspricht. 

Welche Vorschläge stehen im Raum?

  • Das klassische Pfandsystem wie beim Leergut für Glasflaschen, die gegen Rückgabe des Pfandgeldes im Handel zurückgegeben werden.

  • Ein digitales System mit Rücküberweisung der Pfandsumme auf ein Konto der Verbraucher. Hier müssen die Kunden ihre Dosen und Plastikflaschen scannen z.B. mit ihrem eigenen Smartphone oder anderen Mitteln, bevor sie Dosen oder Flaschen in den PMK-Müllsack werfen.

  • Ein digitales System mit automatischer Pfandrückgabe an kommunalen Recycling-Stellen.

  • Eine Mischform der oben genannten klassischen bzw. digitalen Systeme.

Was ist denn optimal?

In Flandern und in der Wallonie haben Studien ergeben, dass ein klassisches Pfandsystem zu teuer ist und dass man besser für eine Mischform optieren sollte. Dies stellte eine Studie der regionalen flämischen Abfallgesellschaft OVAM Ende 2023 fest.

Eine Erhebung des wallonischen Studienbüros RDC sagt, dass ein digitales System interessanter wäre, denn damit könne ein neues Abfallsystem entworfen werden, das auch für andere Bereiche nutzbar sei. Überdies wird auch hier festgestellt, dass das klassische System zu teuer ist.

Die föderale belgische Abfallgesellschaft Fost+ empfiehlt ebenfalls ein digitales System, dem inzwischen auch Industrie und Handel zustimmen.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Impakt und Akzeptanz

Die große Frage, die jetzt im Raum steht ist die nach den Auswirkungen auf die anfallenden Unkosten für die Verbraucher, auf die Umwelt und auf das Soziale. Laut Canopea, dem Dachverband der Umweltgesellschaften in der Wallonie, sorgt ein digitales System dafür, dass sich das Ganze negativ auf die Umwelt auswirkt. Hier plädiert man für ein Mehrwegsystem, damit der entsprechende Abfall von vorne herein weitestgehend vermieden wird.

Sozialverbände hingegen haben ihre Probleme mit einem Pfandsystem, denn viele Verbraucher in finanzschwachen Kreisen hätten oftmals kein Smartphone oder ähnliches. Mitunter haben Menschen in prekärem Umfeld noch nicht einmal ein eigenes Bankkonto. Sie würden in diesen Systemen einfach vergessen.

Der belgische Verbraucherschutzverband Test Aankoop/Test Achats fand heraus, dass 2 von 3 Landsleuten einem Dosen- und Flaschenpfand positiv gegenübersteht. Doch bei der Frage zu einem digitalen System haken viele Verbraucher ab, wegen „zu kompliziert“. Nur 11 % der belgischen Konsumenten würden ein digitales Pfandsystem begrüßen. 

Feldversuche

Die zuständigen Ministerinnen und Minister in Ländern und Regionen sind „offen für alle Möglichkeiten“, so La Libre Belgique. Einige Feldversuche im belgischen Bundesland Flandern ergaben sowohl Ablehnung, als auch Befürworter.

2022 wurde am Strand von Bredene an der belgischen Nordseeküste in einigen Beachbars ein Pilotprojekt zum Pfand auf Dosen und Plastikflaschen, 20 Eurocent Pfand entrichtete. Bei der Rückgabe der leeren Softdrink-Behälter gabs die 20 Cent wieder zurück. Und siehe da, es funktionierte und es kam gut an. Nebenbei konnte der Müllberg am Strand von Bredene erheblich verkleinert werden.

Im Freizeitpark Plopsaland bei De Panne ebenfalls an der belgischen Nordseeküste wurde das Pfandsystem für Getränkedosen und -flaschen nach 8 Jahren vor einigen Tagen beendet. Hier wurde ein Pfand von 50 Eurocent pro Einheit gezahlt und bei Rückgabe erstattet. Die Besucher hätten dieses System nicht angenommen oder ihnen sei die Mühe, ihr Pfandgeld zurückzuholen, zu hoch gewesen…

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5