Klatschnasse Winter und knochentrockene Sommer… Auf diese Klimaveränderung muss sich auch der Wasserhaushalt im belgischen Bundesland Flandern mehr und mehr einstellen. In Flandern wird intensive Landwirtschaft betrieben und die Region ist sehr dicht besiedelt. Das sorgt für eine enorme Herausforderung. Inzwischen wird in vier Gebieten getestet, welche Maßnahmen das Land auf ein sogenanntes „Hochimpakt-Szenario“, wie eine Wasserbombe, wie sie Belgien im Juli 2021 erlebt hat, vorbereiten kann.
"Flandern muss sein Regenwasser besser und länger auffangen"
Der sogenannte „Flämische Klima-Adaptionsplan“ macht 5 Mio. € für die Ausführung des Trajektes „Widerstandsfähige Wasserlandschaft frei. Lisbeth Gellinck, Projektleiterin bei der flämischen Landgesellschaft sagte gegenüber der Mediaplanet-Ausgabe „Planet Future“ dazu, dass die Maßnahmen in den vier Testgebieten belegen sollen, welche systemische Herangehensweise das Wasser, die Biodiversität und die Landwirtschaft kurz- und langfristig miteinander versöhnen soll.
„Ziel ist, gemeinsam und in enger Zusammenarbeit mit den Landwirten, den Gemeinden und den Provinzen aber auch mit den Landschaftsverbänden und den Naturschutzorganisationen an einem klimabeständigen und gebietsgerichteten Aktionsplan zu arbeiten“, so Gellinck.
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Die vier Testgebiete
Der Oberlauf der Ijzer in Westflandern: Dörfer müssen besser vor Überschwemmungen geschützt werden;
Das Gebiet zwischen Kortrijk und Roeselare in Westflandern: Hier haben sich drei Interessenverbände zusammengetan, um das Tal der Leie auf Klimaschocks vorzubereiten;
Die Region am Flusslauf der Gete in Flämisch-Brabant: Hier wird an der Erosion der Lehmebenen gearbeitet, damit Wasser- und Schlammwellen vermieden werden können. Kooperation des regionalen Landschaftsverbandes Süd-Hageland und Provinz Flämisch-Brabant;
Die Täler der Herk und des Mombeeks in der Provinz Limburg: Hier werden Graslandschaften angelegt, um so viel Wasser wie möglich aufzufangen und zu speichern. Kooperation des regionalen Landschaftsverbands Haspengouw und die Gemeinde Voeren.
Probleme im Winter und auch im Sommer
Der Klimawandel belegt auch die Nutzung der Landschaften in Flandern mit hohem Druck. So muss in höher gelegenen Ebenen, in denen oft intensive Landwirtschaft betrieben wird, übermäßig fallender Regen länger aufgehalten werden, bevor er in flachere Gegenden abfließen kann. In den Tälern dann braucht es mehr Raum, um das Wasser zu speichern.
In heißen Sommern sorgen der Anbau von wasserintensiven Pflanzen, wie z.B. Mais und bestimmte Gemüsesorten und von Pflanzen, die nur Irrigation benötigen, wie Gras und Weizen, jedes Jahr für Kopfschmerzen.
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Kein Platz für speichernde Systeme?
In Flandern fehlt es an natürlichem Raum, um Regenwasser zu speichern. Darum müssen technische Lösungen, wie das Anlegen von kontrollierten Auen und Überflutungsgebiete verhindern, dass Wasser zu schnell in bebautes Gebiet abfließen kann.
Dazu sagt Lisbeth Gellinck von der flämischen Landgesellschaft: „Am beste wäre es, wenn dass Wasser an den Oberläufen von Flüssen und Kanälen länger aufgehalten werden könnte. Aus Hochebenen kann man ‚Schwammgebiete‘ machen und zwar mithilfe von Stauanlagen oder mit bestimmten Bepflanzungen.“
Transformation des Wasserhaushaltes erforderlich
Sie empfiehlt auch, bei den Äckern auf eine Bodenbearbeitung umzuschalten, bei der nicht zu tief umgegraben werden muss. Dies würde die Schwammfunktion der Felder deutlich erhöhen: „Der Wasserhaushalt muss von einem abfließenden System zu einem festhaltenden System transformiert werden, doch das ist zeitaufwendig und erfordert Anstrengungen von Gemeinden, Landwirten und von der Wasserverwaltung.“
Forschung und gemeinsames Nachdenken sind also in dieser Frage enorm wichtig. Das Projekt „Widerstandsfähige Wasserlandschaft“ hilft Flandern dabei, den richtigen Weg einzuschlagen. Das Projekt wird mit Mitteln der EU (Interreg), aus dem flämischen „Green Deal“ und mit Landesgeldern finanziert.
