Kaum geplante Investitionen, stillgelegte Produktionslinien, sinkende Auftragslage. Der Chemie- und Pharmasektor in Belgien läutet die Alarmglocken. Nach einigen Jahren ununterbrochenem Wachstum setzte 2023 ein negativer Trend ein, wie der Sektorverband essenscia mitteilt. Der gesamte Sektor sieht sich einer Produktionsverringerung ausgesetzt, wie seit 15 Jahren nicht mehr.
Der belgische Chemie- und Pharmasektor sieht wirtschaftliche Probleme
Seit einigen Jahren entstehen in den beiden Bereichen Chemie und Pharmazie in Belgien kaum noch neue Arbeitsplätze und der Export sank um rund ein Viertel. Hohe Energiepreise, eine Überregulierung und unsichere Zeiten für Investitionen „schneiden den Unternehmen den Atem ab“, wie essenscia-CEO Yves Verschueren dazu angibt.
Diese negative Entwicklung schwächt die Wettbewerbsposition dieser Industriezweige, heißt es bei essenscia weiter und die Produktivität ist unter 65 % der möglichen Kapazitäten gesunken und steht derzeit auf dem niedrigsten Niveau überhaupt. Kurz gesagt: Produktionslinien stehen still.
Keine Investitionen in Sicht
Was den Chemie- und Pharmasektor noch mehr beunruhigt ist, dass keine wesentlichen Investitionen in Sicht sind. Normalerweise werden jährlich bis zu 10 Investitionen in die Wege geleitet, doch, so Verschueren, ist bis jetzt, Mitte April 2024, noch nichts in diesem Sinne passiert: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“
Vor allem im Chemiebereich - der Pharmasektor ist hier nicht so stark betroffen - schaut man mit Sorgenfalten auf der Stirn in die nähere Zukunft. Von Entspannung ist wohl mittelfristig nichts zu merken. Auch im laufenden Jahr 2024 bleibt der Besetzungsgrad in den Chemiewerken niedrig.
Fehlende Industriepolitik?
Es braucht denn auch eine vernünftige Industriepolitik und dies nicht nur in Belgien, so essenscia-CEO Verschueren: „In den vergangenen 5 Jahren gab es so gut wie keine industrielle Politik in Europa. Nach dem Green Deal brauchen wir dringend auch einen Industrial Deal. Ansonsten droht uns in Europa eine Ent-Industrialisierung, vor allem in der Chemie.“
Europa müsse unter anderem unbedingt etwas gegen die steigenden Preise im Energiebereich und bei den Lohnkosten unternehmen, findet essenscia. Noch hält der Chemie- und Pharmasektor seinen Stamm von etwa 100.000 Mitarbeitern aufrecht, vor allem, weil die Unternehmen ihr Personal und dessen Expertise behalten möchte - auch und grade für den Fall, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten für den Bereich wieder erholen und die Aktivitäten wieder anziehen.
