Im vergangenen Jahr wurden in Belgien in den öffentlichen Verkehrsmitteln im Durchschnitt 15 Fälle von Aggressivität gegenüber den Mitarbeitern der entsprechenden Unternehmen registriert. Das waren insgesamt fast 5.600 gemeldete Fälle. In rund einem Viertel der Vorkommnisse ging es um körperliche Gewalt. Jetzt haben die regionalen Nahverkehrsgesellschaften und die belgische Bahn eine gemeinsame Aktion gegen Angriffe gegen ihr Personal gestartet.
Sensibilisierungskampagne zu Gewalt gegen das Personal in den öffentlichen Verkehrsmitteln
Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB, die regionale Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB, die flämische Verkehrsgesellschaft De Lijn und die wallonische ÖPNV-Gesellschaft TEC haben gemeinsam eine Kampagne lanciert, in der sie um Respekt für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bitten.
Dabei sind Plakate in Bahnhöfe und an Tram- oder Bushaltestellen auf auffälligsten. Hier sind persönliche Botschaften von Beschäftigten der verschiedenen Verkehrsgesellschaften zu sehen, die von ihren Erlebnissen mit Gewalt am Arbeitsplatz berichten.
Bespuckt und bedroht
Freya Decoster, Zugschaffnerin bei der Bahn, ist eine davon, die ihre Geschichten erzählt: „Ich bin schon zweimal bespuckt worden. Ich wurde verfolgt. Jemand zog fest an meinem Arm. Und ein Aggressor richtete sich gegen mich in meiner Freizeit. Das einzige, was ich noch tun wollte, war nach Hause zu gehen.“ Sie zweifelte daran, ob sie noch weiter bei der Bahn als Schaffnerin arbeiten wollte, doch „ich mache meinen Job gerne, aber die Aggressivität ist die negative Seite meines Arbeitsplatzes.“
Auch Ahmed Muhtar Göcen, Fahrkartenkontrolleur bei De Lijn, wurde einmal angegriffen, als er mit Kollegen Fahrscheine überprüfen wollte: „Jemand, der seine Schlüssel in der Faust zwischen seinen Fingern hatte, stand drohend vor mir. Glücklicherweise kam die Polizei am Tatort an.“
"Jeder Fall ist ein Fall zu viel"
Marco Demerling von De Lijn sagte zu der Kampagne: „Wir wollen einfach, dass die Fahrgäste den Menschen hinter den Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaften sehen. Vermeiden Sie Aggression, stoppen Sie damit. Jeder Fall ist ein Fall zu viel.“
Bahnsprecher Dimitri Detemmerman sagte, dass die belgischen Verkehrsgesellschaften solche Täter besser ins Visier nehmen wollen, z.B. mit mehr Kameraüberwachung und mit mehr Kontrollen „und wir wollen eine bessere Verfolgung der Täter durch die Justiz.“
