Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) und Vertreter der belgischen Bundes- und einiger Landesregierungen sind derzeit in Verhandlung mit des deutschen Direktion des Automobilherstellers Audi über die Zukunft des Werks im Brüsseler Stadtteil Vorst. De Croo will alles daran setzen, dass der Audi-Standort in der belgischen Hauptstadt auch nach 2027 noch eine Zukunft hat.
Belgiens Regierungsinstanzen sprechen mit Audi über die Zukunft des Brüsseler Standorts
Die rund 3.000 Mitglieder der Belegschaft von Audi in Brüssel-Vorst machen sich Sorgen. Audi wird noch rund 2 Jahre lang den elektrischen SUV Q8 e-tron in Brüssel bauen. Doch für die Zeit nach 2027 hat der Ingolstädter Autobauer, der zur Volkswagengruppe gehört, noch kein neues Modell für Brüssel vorgesehen.
Audi, die VW-Gruppe und die deutsche Automobilbranche im Allgemeinen müssen aktuell mit sinkenden Verkaufszahlen für elektrische Autos fertig werden. Dies führt bereits zu Überkapazitäten in der Produktion. Der Markt ist gnadenlos und die Kosten müssen runter.
Für ein vergleichbar kleines Werk in Europa, wie Audi in Brüssel, das zudem nur ein Modell produziert, sieht es dabei eher schlecht aus.
Premier De Croo will Brüssel als idealen Standort promoten
Für Audi sitzt die Direktion des Brüsseler Standorts am Tisch mit den belgischen Regierungsvertretern, doch bei den Gesprächen ist auch der Leiter der strategischen Planung der Marke aus Ingolstadt zugegen. Premier De Croo gab an, dass er auch bereits telefonischen Kontakt mit Audi-Chef Gernot Döllner gehabt habe.
De Croo packt gegenüber Audi mit den Trümpfen des Standorts auf. Das Werk verfügt über gut ausgebildete Arbeitnehmer, die zudem auf dem Gebiet der Herstellung von E-Autos bzw. Batterien für solche Fahrzeuge inzwischen einen großen Erfahrungsschatz aufweisen können. Er will aber auch gemeinsam mit den Regionalregierungen daran arbeiten, dass mögliche Probleme beseitigt werden können.
Handicaps
Einige Handicaps gibt es aber schon und die will Premier De Croo angehen. Das betrifft z.B. eine bessere Bahnanbindung für Audi in Brüssel. Hier kann einiges in seinen Augen besser werden. Und an den teilweise sehr komplizierten Vorgängen bei Genehmigungsverfahren könne gemeinsam mit den regionalen Regierungen ebenfalls gearbeitet werden.
Mit einer Taskforce aus Vertretern aller Regierungen des Landes soll jetzt nach Lösungen gesucht werden, um Vorteile, wie Belgiens Technologie-Cluster oder eine hohe Produktivität und Flexibilität bei der Audi-Belegschaft zu unterstreichen. Von Wettbewerbsproblemen durch eventuelle Lohnkosten-Nachteilen, will der belgische Premierminister nichts wissen.
Juni und November
Im November wird bei Audi eine Entscheidung fallen, also hat die Taskforce 6 Monate Zeit, die Vorteile Brüssels als Standort für Audi aufzuzeigen.
Bis zu den Parlaments- und Regionalwahlen (und den Europawahlen) am 9. Juni soll ein konkretes Dossier vorgelegt werden, denn der Automobilstandort Belgien (siehe auch den Bushersteller van Hool) kann auch zum Wahlkampfthema werden. Es geht hier schließlich um tausende Jobs…
