Der in Konkurs gegangene Bushersteller Van Hool in Koningshooikt bei Lier in der Provinz Antwerpen kann durch den niederländischen Busbauer VDL und den deutschen Trailerproduzenten Schmitz Cargobull übernommen werden. Dazu erreichten die Kuratoren des in Schieflage geratenen traditionsreichen Familienunternehmens am späten Mittwochabend eine Einigung. Damit werden die Übernahmeangebote der weiteren Interessenten nicht mehr in Betracht gezogen.
Der Deal ist rund. Nach dem VDL am Mittwoch angedeutet hatte, sich an keinem Bieterstreit beteiligen zu wollen und sich ohne Einigung bis zum Abend zurückzuziehen, standen die Kuratoren bei Van Hool unter Druck und fanden zu einer prinzipiellen Einigung. Demnach übernehmen VDL und Schmitz Cargobull das Unternehmen. Der deutsche Trailerbauer nahm dazu sein südafrikanisches Partnerunternehmen GRW mit ins Boot.
Doch nicht nur der Druck durch VDL führte zu einer Einigung, sondern der zu erwartende Zeitverlust durch einen möglichen Bieterstreit - bis zu 6 Wochen, so Kurator Jeroen Pinoy - hätte zu einem Wertverlust des Van Hool-Unternehmens führen können: „Dann hätten sowohl die Produktion, als auch der Vertrieb stillgestanden. Das hätte Wert vernichtet und negative Folgen für die Beschäftigung gehabt. Kunden hätten nicht gewartet und die Auftragsbücher wären leergelaufen.“
"Leerlauf bei den Fachkräften vermeiden"
Kurator Pinoy befürchtete auch ein schnelles Abwerben der Fachkräfte bei Van Hool: „Für die speziellen Produkte, die Van Hool macht, Tankwagen, Doppeldeckerbusse, ist Fachpersonal erforderlich. Das sind Mitarbeiter aus Engpassberufen, wie Schweißer. Wenn man die 6 Wochen lang im Ungewissen lässt, suchen und finden die einen anderen Job. Dann wird ein schnelles Durchstarten schwieriger und es besteht das Risiko, dass die Investoren, die jetzt interessiert sind, noch abhaken.“
Trotzdem werden bis zu 1.500 der insgesamt rund 2.500 Arbeitsplätze bei Van Hool verloren gehen. 650 bis 950 der heutigen Mitarbeiter werden in einer ersten Phase übernommen. Weitere Neueinstellungen sind vorgesehen. Die Gewerkschaften sind eher enttäuscht. Hier heißt es: „Die Enttäuschung und der Impakt des Konkurses bleiben groß. Jetzt bleibt nur noch der Weg nach vorne.“ Hier ist man aber positiv darüber gestimmt, dass die Unsicherheit zu Ende ist.
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Was haben VDL und Schmitz Cargobull vor?
Sowohl der niederländische Busbauer VDL, als auch der Trailerproduzent Schmitz Cargobull aus Deutschland haben bereits Verwaltungen, Produktionsstätten und Entwicklungszentren in Belgien und diese liegen nicht wirklich weit von Koningshooikt entfernt.
VLD hat vor nicht allzu langer Zeit ein neues Werk für die Herstellung von elektrischen Bussen in Roeselare in Westflandern gebaut, das in dieser Woche feierlich eröffnet wurde. Hier werden vor allem elektrische Stadtbusse montiert.
Daneben hat VLD in Valkenswaard in den benachbarten Niederlanden schon ein großes Werk und die Firmenzentrale liegt in Eindhoven. VDL will die klassischen Van Hool-Busse im Zweigwerk des flämischen Busherstellers in Nord-Mazedonien bauen.
Ein gut klingender Markenname mit spannendem Auslandsportfolio
Schmitz Cargobull plant in Koningshooikt wohl nur die Herstellung von speziellen Sattelaufliegern in kleiner Zahl im alten Van Hool-Werk, wird aber verantwortlich für die Nutzfahrzeugsparte. Ein Teil des Betriebsgeländes soll denn auch abgerissen und für Immobilienprojekte vorbereitet werden.
Die beiden Unternehmen sind in erster Linie am gut klingenden Namen Van Hool interessiert sowie an den Patenten der Marke und an den ausländischen Aktivitäten. Das neue Van Hool-Werk in Mazedonien und die 40 %-Anteile an dem US-amerikanischen Busproduzenten ABC gehören zu den wichtigsten Teilen der Traditionsmarke…
