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Seit 90 Jahren ein Rätsel: Wo sind die "Gerechten Richter"

Kunstraub des Jahrhunderts vor nunmehr 90 Jahren: Wo sind die "Gerechten Richter"?

Seit nunmehr 90 Jahren bleibt die Bildtafel "Die Gerechten Richter", ein Teil des "Lamm Gottes", dem weltberühmten Altarbild der Gebrüder Van Eyck aus Gent, verschwunden. Vor etwa 10 Jahren hieß es, eine bekannte Genter Familie soll im Besitz dieses Kunstwerks sein, doch auch diese These konnte, wie so viele vor ihr, nicht belegt werden. Inzwischen ist das Altarbild "Die Anbetung des Lamm Gottes" fast vollständig restauriert, doch die "Gerechten Richter" sind weiter nur als Kopie zu sehen… 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

In der Nacht vom 10. auf den 11. April 1934 wurden zwei Bildtafeln der Gebrüder Jan und Hubert van Eyck aus der Sint-Baafs-Kathedrale in Gent gestohlen. Das Altarbild „Die Anbetung des Lamm Gottes“ war zu diesem Zeitpunkt sehr beliebt. Zwei Jahre zuvor war der 500. Geburtstag mit viel Glanz und Gloria gefeiert worden.

Die Tafel mit "Johannes dem Täufer" wurde schnell wiedergefunden – in einem Schließfach am Brüsseler Südbahnhof. Ein anonymer Erpresser, mit dem auch über Lösegeld für die zweite Tafel die "Gerechten Richter" verhandelt wurde, hatte dafür gesorgt, dass die erste Tafel in den Besitz der Kathedrale zurückging. Die Verhandlungen platzten jedoch und die "Gerechten Richter" sind bis heute verschwunden geblieben.

Wer die Genter Kathedrale besucht, um sich die "Anbetung des Lamm Gottes" anzusehen, erblickt also nur eine 1943/44 angefertigte Kopie dieser unauffindbaren Bildtafel. Zahlreiche Spuren und Komplott-Theorien wurden in den vergangenen Jahrzehnten diskutiert und ûberprüft und Scharlatane haben seither die Geschichte weiter ausgemalt.

Vermeintlicher Dieb

Im Herbst 1934 bekannte der Finanzmakler Arsène Goedertier auf seinem Sterbebett seine Beteiligung am Diebstahl der Bildtafeln des Genter Altars. Der vermeintliche Dieb Goedertier starb jedoch, bevor er den Aufbewahrungsort der Tafel preis geben konnte und bevor er sagen konnte, ob er im Auftrag gehandelt hatte. Sogar die deutschen Besatzer hatten während des Zweiten Weltkriegs nach den "Gerechten Richtern" gesucht.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Die Kopie der "Gerechten Richter"

Genter Familie im Besitz der Bildtafel?

2014 hatte die VRT einen neuen Zeuge aufgetan. Paul De Ridder, ein Historiker der Königlichen Bibliothek und Brüsseler Parlamentsabgeordneter, erzählte seinerzeit, dass es die "gerechten Richter" noch gibt und dass die Bildtafel im Besitz einer bekannten Genter Familie sei. Aus Angst vor einem Skandal, trauen sich die Erben nicht, sich zu melden.

Paul De Ridder hat die Information von Robert Senelle, dem bekannten Professor für Verfassungsrecht, der 2012 starb. Senelle vermittelte bei der Familie. Diese sollte die Bildtafel zurückgeben, aber Senelles Vermittlungen blieben erfolglos. Paul De Ridder gab an, den Namen der Familie zu kennen, doch er nannte ihn nicht: "Ich habe versprochen, dass ich keine Namen nenne, weil ich noch immer hoffe, dass man in dieser Sache zu einer gütlichen Einigung im Interesse des Kulturerbes kommt."

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

2019 wurden am Genter Kalandeberg in der Nähe der Kathedrale noch nach der Bildtafel gegraben

Er ging damals allerdings mit seinen Informationen zum Staatsanwalt von Gent gegangen. Doch Erhellendes gab es weiter nicht, auch nicht zu dem Verdacht, dass diese ungenannte Familie gemeinsam mit anderen reichen Familien das Altarbild stehlen ließen, um damit das Bistum unter Druck zu setzen, um sich finanziell an der Rettung einer damalige Bankengruppe vor dem Bankrott zu beteiligen. Das Bistum von Gent ist der rechtmäßige Besitzer des "Lamm Gottes".

Die Genter Familie, die noch im Besitz der "Gerechten Richter" sein soll, soll über eine mögliche Rückgabe unterschiedliche Auffassungen vertreten, weil so etwas den guten Namen der Familie ruinieren könnte. Rein theoretisch könnte auch gegen die Familie vorgegangen werden. Der Diebstahl selbst ist zwar verjährt, aber gestohlenes Gut zu besitzen, könnte als Hehlerei betrachtet werden.

In welchem Zustand ist das Werk heute?

Falls es die "Gerechten Richter" wirklich noch gibt, stellt sich auch die Frage, in welchem Zustand sich die empfindliche Bildtafel aus baltischer Eiche befindet. Die anderen Teile des "Lamm Gottes“ sind inzwischen fast alle gründlich renoviert worden und in der Genter Kathedrale wurde ein neues Besucherzentrum rund um das wohl noch immer beliebteste Kunstwerk im belgischen Bundesland Flandern besser präsentieren zu können.

"Das Gemälde soll aber noch in gutem Zustand sein", sagte Paul De Ridder weiter, denn er behauptet, dass er es selbst gesehen hat: "Es soll bereits mehrmals restauriert worden sein und wird seit Jahren gut aufbewahrt. Dass einzige, worum ich sie bitte ist, dass die es zurückgeben." 

"Die Anbetung des Lamm Gottes"

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