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CM-Vorsitzender Luc Van Gorp (Archivfoto aus dem VRT-Studio von Radio 1)

Wie gegen die Vergreisung der Gesellschaft vorgehen? Der Leiter der christlichen Krankenkasse in Belgien hat hier radikale Ansichten

Luc Van Gorp (Foto), der Vorsitzende der christlichen Krankenkasse (CM) in Belgien, plädiert für eine radikalere Herangehensweise an die Vergreisung der Bevölkerung. „Wer des Lebens müde ist, der soll aus dem Leben gehen können“, so Van Gorp. Die Reaktionen der politischen Parteien in Flandern können unterschiedlicher kaum sein. 

Andreas Kockartz
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Bis 2050 werde sich die Zahl der Menschen über 80 in unserem Land auf bis zu 1,2 Millionen Personen verdoppeln, so Luc Van Gorp und dies lasse den finanziellen Druck auf die Krankenkassen und auf das Gesundheitswesen enorm steigen.

Mit mehr Geld sei es nicht getan, so der CM-Vorsitzende, der in der flämischen Tageszeitung Het Nieuwsblad für eine deutlich radikalere Herangehensweise plädiert: „Ärzte und andere Mitarbeiter im Gesundheitswesen tun ihr allerbestes dafür, dass jeder länger leben kann, doch mit welchem Ziel? Länge leben ist doch kein Ziel als solches? Es muss doch in erster Linie um die Frage geben, wie lange ich noch qualitätsvoll leben kann?“

Van Gorp reagiert als Vorsitzender der christlichen Krankenkasse im Rahmen einer breiteren Denkübung zum Thema Vergreisung der Gesellschaft. Die Debatte müsse sich mehr mit der Qualität des Lebens statt mit der Quantität, denn mehr Geld aufwenden und mehr Pflege- und Wohnheime zu bauen, helfe auf langfristig nicht mehr weiter. „Wer des Lebens müde ist, der soll aus dem Leben gehen können.“ so Van Gorp.

"Wegwerfgesellschaft 2.0"

Sammy Mahdi, der Vorsitzende der flämischen Christdemokreten CD&V reagiert wütend auf die Vorschläge Van Gorps. Die führe zu einer Wegwerfgesellschaft 2.0, so Mahdi, denn Menschen so einfach aus dem Leben gehen zu lassen, sei für ihn weder eine Lösung, noch die richtige Herangehensweise. „Wenn jemand des Lebens müde ist und das Gefühl hat, im Weg zu stehen und keinen Besuch mehr bekommt, dann versagen wir als Gesellschaft“, so Mahdi.

Die flämischen Liberalen Open VLD sind den Vorschlägen von CM-Vorstand Van Gorp eher zugetan. Sie plädieren schon seit einigen Jahren für aktive Sterbehilfe nach einem erfüllten Leben und die ehemalige Vorsitzende der Partei wiederholte einmal mehr, dass eine solche Debatte geführt werden müsse.

Dem stimmen auch die flämischen Grünen (Groen) zu, doch sie sind der Ansicht, dass eine solch kontroverse Debatte mit Zeit und in aller Ruhe geführt werden müsse. Für Groen muss diese Debatte zudem nicht in Zusammenhang mit den finanziellen Problemen mit der Finanzierung der Vergreisung bzw. des Gesundheitswesens geführt werden.

Keine einzige Partei im belgischen Bundesland Flandern hat derzeit zu diesem Thema klare Vorstellungen formuliert oder einen entsprechenden Gesetzesvorschlag in der Schublade liegen. 

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