Beim traditionsreichen belgischen Bushersteller Van Hool steht eine Übernahme bevor. Der für eine raschen Neustart notwendige Konkurs des Unternehmens aus Koningshooikt bei Lier in der Provinz Antwerpen erfolgt am Montag. Der deutsche Trailerhersteller Schmitz Cargobull und der niederländische Busbauer VDL übernehmen Van Hool, der die Zahl der Arbeitsplätze, die dabei verloren gehen, ist weitaus höher als erwartet.
Übernahme von Van Hool - 1.550 bis 1.850 Mitarbeiter verlieren ihren Job
Offenbar wird das niederländisch-deutsche Tandem nur 650 bis 950 Mitarbeiter von Van Hool übernehmen, wie VRT NWS vor der Betriebsversammlung am Montagmorgen aus gut unterrichteter Quelle vernahm. Das bedeutet, dass mindestens 1.550 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren werden. VDL und Schmitz Cargobull sehen offenbar auch einen Neubau von Produktionsanlagen vor.
Die Gewerkschaften hatten im Vorfeld bereits eine hohe Zahl an Kündigungen im Zuge der Übernahme erwartet, zumal einer der Kandidaten, der westflämische Unternehmer Guido Dumarey, Ende letzter Woche sein Angebot zurückgezogen hatte.
Alle werden entlassen und einige nach dem Konkurs wieder eingestellt
Nach der Betriebsversammlung am Montagvormittag wurde die Lage konkreter. Für Van Hool wird der Konkurs erklärt und alle Beschäftigten werden entlassen. Danach werden VDL und Schmitz Cargobull zwischen 650 und 950 der bisherigen Mitarbeiter wieder einstellen. Zu welchen Bedingungen muss noch festgelegt werden. Damit behalten deutlich weniger Mitarbeiter des Unternehmens ihren Job, als ursprünglich gedacht.
Aktuell liegt alles in den Händen der beiden Kuratoren, die das hier zuständige Handelsgericht von Mechelen bestimmt hat. Van Hool-CEO Filip Van Hool war übrigens selber gar nicht zu dieser Betriebsversammlung erschienen… Aktuell besprechen die Gewerkschaften bei Van Hool die Situation mit den bei ihnen angeschlossenen Kollegen bei dem Unternehmen.
Was haben VDL und Schmitz Cargobull vor?
Sowohl der niederländische Busbauer VDL, als auch der Trailerproduzent Schmitz Cargobull aus Deutschland haben bereits Verwaltungen, Produktionsstätten und Entwicklungszentren in Belgien und diese, so schreibt die flämische Tageszeitung De Standaard, liegen nicht wirklich weit von Koningshooikt entfernt.
VLD hat vor nicht allzu langer Zeit ein neues Werk für die Herstellung von elektrischen Bussen in Roeselare in Westflandern gebaut. Hier werden vor allem mit Strom angetriebene Stadtbusse montiert. Daneben hat VLD in Valkenswaard in den benachbarten Niederlanden schon ein großes Werk und die Firmenzentrale liegt in Eindhoven. VDL will die Van Hool-Busse weiter im Zweigwerk des flämischen Busherstellers in Nord-Mazedonien bauen.
Ein gut klingender Markenname mit spannendem Auslandsportfolio
Schmitz Cargobull plant in Koningshooikt wohl nur die Herstellung von speziellen Sattelaufliegern in kleiner Zahl im alten Van Hool-Werk, wird aber verantwortlich für die Nutzfahrzeugsparte. Ein Teil des Betriebsgeländes soll denn auch abgerissen und für Immobilienprojekte vorbereitet werden. Vielleicht soll eine neue Produktionshalle entstehen, doch das ist laut De Standaard auch nicht sicher. Ein Problem stellt aber wohl eine erforderliche Bodensanierung dar, denn in den 70 Jahren Busproduktion sind auch umweltverschmutzende Stoffe aus- und abgelaufen…
Die beiden Unternehmen sind in erster Linie am gut klingenden Namen Van Hool interessiert sowie an den Patenten der Marke und an den ausländischen Aktivitäten. Das neue Van Hool-Werk in Mazedonien und die 40 %-Anteile an dem US-amerikanischen Busproduzenten ABC gehören zu den wichtigsten Teilen der Traditionsmarke…
