Nach Schlägereien, in die belgische Soldaten bei Auslandsmissionen verwickelt waren (letztes Wochenende in Portugal und im Februar in Norwegen) stellt sich die Frage, ob es ein Disziplinproblem bei der Truppe gibt. Der ehemalige Kolonel der belgischen Armee, Roger Housen, spricht gegenüber VRT NWS von einer „schädlichen Organisationskultur.“
Belgische Soldaten in Schlägereien verwickelt: "Bei Missionen im Ausland sind maximal 2 alkoholische Getränke erlaubt"
Im Februar wurde eine Schlägerei mit belgischen Soldaten in Norwegen gemeldet und letztes Wochenende waren weitere Soldaten in eine Kneipenschlägerei in Portugal verwickelt. Hinzu kommen noch Berichte über menschenverachtendes Verhalten gegenüber Rekruten in einer Kaserne in der Provinz Lüttich bei Taufritualen für Neulinge.
Ex-Kolonel Roger Housen sieht Probleme auf mehreren Ebenen: „Wenn die Mentalität die ist, dass so etwas toleriert wird, dann hat man ein Problem. Auch die Gruppendynamik liegt hier falsch. Dabei muss man sein Verhalten bestätigen, sonst fliegt man aus der Gruppe raus. Und es liegt eine komplette Abwesenheit der Chefs vor, die nicht zur Verantwortung gerufen werden.“
"Sturzbetrunken"
Dabei weist der Kolonel a.D. auch auf das Problem Alkohol hin, denn die belgischen Soldaten, die sich am Wochenende in Portugal in einem Café geprügelt hatten, waren nach Meldungen der Presse vor Ort „sturzbetrunken“.
„Warum werden die Regeln zum Alkoholkonsum nicht befolgt? Während Manövern und Auslandsmissionen darf man im Prinzip nur zwei alkoholische Getränke zu sich nehmen. Wenn ein direkter Vorgesetzter feststellt, dass einer seiner Untergebenen sich daran nicht hält, muss er reagieren.“
Strenger Armeechef?
Der ehemalige Kolonel geht aber davon aus, dass Belgiens neuer Armeechef, General-Leutnant Frederik Vansina, streng in dieser Frage vorgehen werde: „Kollegen finden, dass er zukunfts- und lösungsgerichtet arbeitet.“
Doch Housen bleibt in seinen Aussagen zu Vansina zurückhaltend: „Wenn man nicht aufräumt, passiert so etwas weiter. In der Vergangenheit hat es schon Chefs gegeben, die dachten, vorgegangen zu sein, doch sie hatten versagt.“
