Im letzten Jahr stieg die Zahl der an zu hohem Blutzucker erkrankten Belgier um sage und schreibe 25 Prozent. Das geht aus den in der Wirtschaftszeitung De Tijd veröffentlichten Zahlen der Krankenkassen hervor. Im Jahr 2012 wurden 5,6 Prozent der Bevölkerung wegen Diabetes behandelt, im Jahr 2021 waren es bereits 7,1 Prozent. Es ist wahrscheinlich, dass die Krankheit jetzt häufiger erkannt wird, aber der Anstieg könnte auch auf die zunehmende Fettleibigkeit und eine alternde Bevölkerung zurückzuführen sein.
Belgien: Zahl der Diabetiker in nur 10 Jahren um ein Viertel gestiegen
Nach Angaben der Krankenkassen wurden 2022 in unserem Land 810.000 Menschen wegen Diabetes (Zuckerkrankheit) behandelt. Das sind etwa 7,1 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 2012 lag die Zahl noch bei 5,6 Prozent. Das ist also ein Anstieg um mehr als ein Viertel.
Der Anstieg der Zahl der Menschen mit Diabetes scheint sich außerdem zu beschleunigen. Zwischen 2021 und 2022 stieg ihre Zahl um 5 Prozent, der größte jährliche Anstieg aller Zeiten.
Was ist Diabetes?
Diabetes, auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine Erkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel aus dem Gleichgewicht gerät. Grob gesagt gibt es zwei Arten von Diabetes.
Bei Typ-1-Diabetes stellt unser Körper kein oder viel zu wenig Insulin her, ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel kontrolliert. Diese Form ist nicht sehr häufig (etwa 10 Prozent aller Patienten) und tritt häufig in der Kindheit auf.
Es gibt auch den Typ-2-Diabetes, bei dem unser Körper zwar genügend Insulin produziert, aber weniger empfindlich auf dessen Wirkung reagiert. Diese Form hängt mit dem Alter und dem Lebensstil zusammen und tritt in der Regel erst im fortgeschrittenen Alter auf. Etwa 90 Prozent der Menschen haben Typ-2-Diabetes.
Es gibt auch einen Schwangerschaftsdiabetes, eine vorübergehend verminderte Insulinempfindlichkeit, die bei etwa 12 % der schwangeren Frauen auftritt.
Diabetes ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel ("Hypo") führt zu Hungergefühlen, Schweißausbrüchen, Herzklopfen und Schwindelgefühlen. Im Extremfall kann der Patient komatös werden. Ein zu hoher Blutzucker ("Hyper") macht sich nicht so schnell bemerkbar, kann aber langfristig zu Problemen mit dem Herz-Kreislauf-System, den Augen, den Nieren und den Füßen führen.
Die Zahlen stützen sich auf der Anzahl der registrierten Diabetespatienten in den Datenbanken der Krankenversicherungen. In diesen Datenbanken tauchen nur Patienten auf, die Medikamente (etwa Insulin) einnehmen oder eine spezielle Diabetes-Behandlung benötigen. Dabei handelt es sich ausschließlich um Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes; Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes sind in den Zahlen nicht enthalten.
Die Zahl der Patienten nimmt mit dem Alter zu. Bei den über 65-Jährigen ist jeder Fünfte wegen Diabetes in Behandlung, bei den 45- bis 65-Jährigen sind es 8,9 Prozent und bei den 25- bis 44-Jährigen 2,2 Prozent. Es sind mehr Männer als Frauen an Diabetes erkrankt, obwohl der Unterschied nicht sehr groß ist.
Vermutlich ist die tatsächliche Zahl der Menschen mit Diabetes noch höher. Nicht alle nehmen Medikamente ein oder nehmen eine spezielle Behandlung in Anspruch. Die belgische Gesundheitsumfrage 2018 ergab, dass wahrscheinlich ein Drittel der Menschen mit Diabetes nicht weiß, dass sie die Krankheit haben.
Noch höhere Zahlen?
"Ich bin nicht überrascht wegen der steigenden Zahl der Menschen mit Diabetes", sagt Professorin Chantal Mathieu. Sie ist Endokrinologin, also eine auf Hormonkrankheiten spezialisierte Ärztin, an der Universitätsklinik (UZ Leuven) in Leuven (dt.: Löwen). "Das hören wir Jahr für Jahr, nicht nur hier, sondern weltweit."
Der Anstieg wahrscheinlich mit der zunehmenden Vergreisung der Bevölkerung zusammen. "Wir sehen vor allem eine explosionsartige Zunahme von Typ-2-Diabetes, der früher als Altersdiabetes bezeichnet wurde. Die Bevölkerung wird immer älter. Aber es gibt auch immer mehr andere Risikofaktoren für diese Art von Diabetes, wie zum Beispiel Bewegungsmangel und zunehmende Übergewichtigkeit", so Professorin Mathieu.
Aber auch die Zahl der Patienten mit Typ-1-Diabetes, einer Form, die nicht mit Alter und Lebensstil zusammenhängt, steigt. "Das ist beunruhigend", meint Professor Mathieu. "Die gute Nachricht ist, dass immer mehr Menschen mit Typ-1-Diabetes länger und besser leben. Die schlechte Nachricht ist, dass der Anstieg vor allem bei jungen Kindern zu beobachten ist. Diese Form von Diabetes wird immer aggressiver und gefährlicher.“
Es ist aber auch wahrscheinlich so, dass die Krankheit immer häufiger erkannt wird und mehr Menschen eine entsprechende Behandlung erhalten.
Lichtblicke
Laut Professor Mathieu "leben wir in aufregenden Zeiten". "Es ist besorgniserregend, dass die Zahl der Patienten zunimmt, aber gleichzeitig sehen wir die Entwicklung von so genannten krankheitsmodifizierenden Therapien, Behandlungen, die die Krankheit selbst angehen und nicht nur die Symptome behandeln."
Bei Typ-2-Diabetes verweist sie auf Medikamente wie Ozempic. Dieses Medikament wurde speziell für Menschen mit Diabetes entwickelt, weil es den Blutzuckerspiegel senkt. Inzwischen ist es auch als Diätmittel für übergewichtige Menschen beliebt, weil es als Nebeneffekt dazu führt, dass man Gewicht verliert.
"Aber wir verstehen auch immer besser, was Typ-1-Diabetes ist: eine Autoimmunerkrankung, bei der unser Immunsystem unseren eigenen Körper angreift. Dank intensiver und besserer Forschung, auch in unserem Land, stehen wir kurz davor, Medikamente zu entwickeln, die auf dieses Immunsystem einwirken und so die Entstehung von Typ-1-Diabetes verhindern können."
