Die Sondereinheit DSU sind bei Einsätzen zumeist das „letzte Mittel“, um die Polizei bei riskanten Einsätzen zu unterstützen. Dies war auch am Montag der Fall in Lodelinsart bei Charleroi, als ein Mitglied der DSU im Kugelhagel eines Verdächtigen sein Leben verlor. Wer sind die Beamten der Sondereinheit der Polizei in Belgien?
Nach den fatalen Schüssen im Einsatz: Wer sind die Mitglieder der Sondereinsatztruppen in Belgien?
Die „Speziellen Einheiten“, kurz DSU, kommen eher selten zum Einsatz und sie kommen auch kaum in den Medien vor. Das passiert entweder bei Presseterminen zur Vorstellung ihrer Arbeit oder, wie 2016, als sie vor laufenden Kameras den Terrorverdächtigen Salah Abdeslam in Molenbeek in Brüssel festnehmen konnten.
Am frühen Montagmorgen allerdings lief ein Einsatz schief. Als 15 Mitglieder der DSU in Lodelinsart, einer Teilgemeinde von Charleroi im Hennegau, bei einem verdächtigen Kriminellen eine Razzia durchführen sollten, feuerte dieser eine ganze Ladung seiner Waffe durch eine Türe hindurch auf die Polizisten. Dabei kam ein DSU-Mann ums Leben, ein zweiter wurde lebensgefährlich und ein dritter nur leicht verletzt.
Erster Todesfall
Dies war das erste Mal in der Geschichte der Sonder- und Spezialeinheiten der belgischen Polizei, dass ein Beamter im Einsatz sein Leben verloren hat. Allerdings gab es bereits Verletzte bei Razzien oder bei Einsätzen im Antiterrorkampf. Dies sind eigentlich die am besten ausgebildeten, bewaffneten und ausgerüsteten Polizisten des Landes, doch auch deren Arbeit ist gefährlich und riskant.
„Eine gute Vorbereitung ist ein Muss. Man versucht alle Risiken im Vorfeld einzuschätzen und so gering wie möglich zu halten“, so Carl Vorsselmans gegenüber VRT NWS. Er leitete eine Zeit lang die DSU-Einheiten in den Provinzen Antwerpen und Limburg. „Es wird darüber nachgedacht, was alles falsch laufen kann, doch die Praxis weicht oft von der Theorie ab. Und dann muss man schnell umschalten können. Man kann nicht jedes Risiko ausschließen. Und es ist auch wichtig, dass jeder im Team das begreift“, so Vorsselmans.
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Spezialausbildung
Wer bei den Spezialeinheiten aufgenommen werden möchte, muss einer zusätzlichen Ausbildung von einem Jahr folgen, so Vorsselmans: „Darin lernt man vor allem den Umgang mit Stresssituationen, um so gut und so sicher wie möglich eingreifen zu können. Draußen denken vielleicht vielen dass das alles Rambos sind, doch diese Leute werden in erster Linie auf Ruhe und Ausgeglichenheit gescreent, erst recht in stressigen Situationen. Das letzte, was man in solchen Teams gebrauchen kann, sind Cowboys. Dieses Bild stimmt absolut nicht.“
Zudem scheinen viele Leute zu unterschätzen, dass die DSU-Mitglieder Menschen sind, die auch Familie haben, doch viel mehr ist dazu nicht zu sagen, denn das Thema Spezielle Einheiten gehört zu den diskreten Dingen in der Welt der Polizei – auch in Belgien.
Weniger Vorfälle in Belgien als anderswo
Wie viele Einheiten und Mitglieder es z.B. gibt, ist nicht bekannt und das soll auch so bleiben, so der ehemalige DSU-Leiter: „Die DSU wird oft eingesetzt, doch davon bekommt man meistens nichts mit, weil alles sehr diskret und im Hintergrund abläuft.“
In Belgien gibt es bei Sondereinsätzen der Polizei weniger Opfer bei Interventionen, als in andern Ländern. Dies sagte Bundesstaatsanwalt Frédéric Van Leeuw gegenüber VRT NWS in einer Reaktion auf den Fall Lodelinsart: „Es ist sehr außergewöhnlich, dass ein so speziell ausgebildeter Beamter ums Leben kommt. Umgekehrt sorgen diese Beamten auch für weniger Opfer im Einsatz, denn in Belgien dürfen sie in erster Linie nur zur Selbstverteidigung handeln.“ Der Waffengebrauch der DSU-Leute ist in unserem Land sehr streng geregelt.
