Eine Richterin aus der westflämischen Stadt Ypern ist für drei Monate vom Dienst suspendiert worden, nachdem ihr Sohn bei einem Examen für angehende Richter beim Betrugsversuch erwischt worden war. Angeblich wurden ihm die Examenssfragen von einem hohen Justizbeamten, der mit seinen Eltern befreundet ist, im Voraus zugespielt. Es wurde eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet, und die Richterin wurde bis zum Vorliegen der Ergebnisse vom Dienst suspendiert.
Wegen Examensbetrug des Sohnes: Westflämische Richterin für 3 Monate vom Dienst suspendiert
Wie wir Anfang des Monats berichteten, deckte der Hohe Justizrat, die Aufsichtsbehörde der belgischen Justiz, bei einem Aufnahmeexamen für das Richteramt einen schwerwiegenden Betrug auf. Ein Mitglied der Examensskommission - selbst Generalstaatsanwalt und Mitglied des Justizrates - hatte einem Kandidaten vor dem Examen widerrechtlich Informationen über die Examenssfragen zukommen lassen.
Es wurde eine strafrechtliche Untersuchung über den Betrug eingeleitet. Außerdem wurde eine Disziplinaruntersuchung durchgeführt, in deren Rahmen beschlossen wurde, den Genter Generalstaatsanwalt für drei Monate zu suspendieren.
Bei dem beim Betrug ertappten Kandidaten handelt es sich um den Sohn von zwei hohen Justizbeamten, die mit dem suspendierten Generalstaatsanwalt eng befreundet sind. Gegen seine Mutter, eine Richterin am Gericht in Ypern, wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Sie wurde nun für drei Monate vom Dienst suspendiert.
Der Vorsitzende der westflämischen Gerichte betont, dass die Suspendierung der Richterin eine Selbstverständlichkeit sei und nicht als Indiz für eine mögliche Schuld gewertet werden dürfe. Die Suspendierung der Richterin läuft bis Juni, könnte aber um weitere drei Monate verlängert werden, wenn die Ermittlungen bis dann noch nicht abgeschlossen sind.
In der Zwischenzeit wurde noch keine Entscheidung über ein mögliches Disziplinarverfahren gegen den Vater des jungen Mannes, einen Staatsanwalt in Brügge (Westflandern), getroffen.
