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In der Abtei von Averbode

Hochzeiten für Exorzismus? In der Abtei von Averbode finden jährlich über 1.000 Teufelsaustreibungen statt

Die Abtei von Averbode in Scherpenheuvel-Zichem in der Provinz Flämisch-Brabant scheint sich zu einem „Exorzismus-Hotspot“ in Belgien zu entwickeln. Hier finden pro Jahr mehr als 1.000 Teufelsaustreibungen statt. „Wir können der Nachfrage kaum noch entsprechen“, heißt es dazu in der Abtei. 

Andreas Kockartz
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Da mag man glauben, dass Teufelsaustreibungen Geschichten aus dem Mittelalter sind, doch heute liegt Exorzismus offenbar noch immer im Trend. Ein anonym bleiben wollender Exorzist aus der Abtei von Averbode sagte gegenüber VRT NWS, dass dies ein Tagesgeschäft sei: „Ich nehme 3 Teufelsaustreibungen pro Woche vor und es geht kaum ein Tag vorbei, an dem bei uns keine neuen Anfragen eingehen.“

Die Sache verlange viel von ihm neben seiner pastoralen Arbeit ab, so der Abt: „Ich muss den Menschen und ihren Geschichten zuhören und versuchen, sie zu befreien. Averbode scheint aber kein Einzelfall zu sein, denn „ich höre auch oft aus anderen Pfarren, dass sie der Nachfrage kaum entsprechen können.“ 

Alte aber unspektakuläre Rituale

„Exorzismus besteht schon sehr lang“, sagt der Historiker Kristof Smeyers von der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven), der sich mit Geschichte und Gegenwart dieses Phänomens beschäftigt: „An einem bestimmten Punkt spürte die Kirche, dass es einen Bedarf gab, diese Praktiken, die es seit Jahrhunderten gibt, aufzunehmen. Im 17. Jahrhundert hat man damit angefangen, die Rituale Punkt für Punkt festzuschreiben. Daran hat sich bis zum heutigen Tag noch nicht viel dran geändert.“

Der teufelsaustreibende Abt von Averbode hat sich anhand dieser Vorschriften in die Materie eingearbeitet, „doch es gibt auch Kurse für Exorzismus in Rom und ich würde denen gerne einmal folgen. Eine Teufelsaustreibung ist eigentlich nicht so spektakulär, wie sie manchmal in Filmen, wie ‚Der Exorzist‘, vorkommt.“ 

Wer wünscht sich eine Teufelsaustreibung?

Laut dem Kirchenhistoriker Kristof Smeyers sind die Symptome, die dazu führen, dass sich jemand vom Teufel besessen fühlt, nicht eindeutig und haben sich im Laufe der Jahrhunderte durchaus verändert. Im 19. und 20. Jahrhundert kamen vornehmlich ‚körperliche Symptome‘ vor: „Im Allgemeinen läuten die Alarmglocken, wenn jemand bei sich ein abweichendes Verhalten feststellt. Auch ‚Unglück‘, für die man keine Erklärung findet, können Vermutungen, dass der Teufel im Spiel ist, erwecken.“

„Dabei fällt ein spezifisches Merkmal auf: Die disproportionale Anwesenheit von Frauen, die vom Teufel oder von Dämonen besessen sein könnten. Es bleibt eine dominante Theorie, dass Frauen für die Sünde oder für das Schlechte eher empfänglich sind“, so Smeyers.

Unsichere Zeiten?

Der Exorzist von Averbode erkennt ein immer wiederkehrendes Muster bei denen, die sich an ihn wenden: „Das sind Menschen, die sich festgefahren haben und die nicht mehr in ihrem Leben weiterkommen. Dies führen sie auf die Anwesenheit einer übermenschlichen Kraft. Wir leben in unsicheren Zeiten. Die Leute haben weniger Halt und sie können den Dinge keinen Raum mehr geben.“

Kann eine Teufelsaustreibung diesen Menschen wirklich helfen? „Das funktioniert nicht automatisch, doch etwa die Hälfte aller Leute geben doch an, sich danach etwas besser zu fühlen und weitermachen zu können.“ 

Die Abtei von Averbode

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