Ein Häftling aus dem Gefängnis von Antwerpen ist schwerverletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Der Mann wurde offenbar tagelang von Mitgefangenen gefoltert. Die Taten wurden mit Handys gefilmt und über Snapchat verbreitet. Warum diese Folter, die mehrere Tage dauerte, von niemandem in der Haftanstalt bemerkt wurde, ist unklar und inzwischen Gegenstand von Ermittlungen.
Häftling im Antwerpener Gefängnis tagelang von Mitgefangenen gefoltert
Der Häftling soll 3 Tage lang von seinen 5 Mithäftlingen in seiner Zelle gefoltert worden sein. Er soll sich in Lebensgefahr befinden und sein Körper weist u.a. Verbrennungen auf der Haut auf. Die Staatsanwaltschaft Antwerpen bestätigte inzwischen, dass gegen die 5 Verdächtigen ermittelt wird. Sie wurden inzwischen auch verhört. Die Spurensicherung und ein Gerichtsmediziner befassen sich ebenfalls mit den Vorgängen.
Warum diese Tat so lange unentdeckt bleiben konnte, ist unklar. Niemand griff hier ein. VRT NWS vernahm aus gut unterrichteter Quelle, dass dem Betroffenen gedroht wurde, wenn er sich meldete. Er musste sich wohl schlafend stellen, wenn ein Gefängniswärter oder andere Personen die Zelle betraten.
Das sind abstoßende Bilder. Vor allem das Vergnügen, dass die Mitgefangenen dabei hatten, wenn sie ihn erniedrigten, ist echt schockierend“
Joris van der Aa, Gazet van Antwerpen
Justizreporter Joris van der Aa von der flämischen Tageszeitung Gazet van Antwerpen hat die Videos der Folterungen sehen können und ist entsetzt. Da ist von Essen von Erbrochenem die Rede und auch von analer Vergewaltigung mit einem Besenstil. „Das sind abstoßende Bilder. Vor allem das Vergnügen, dass die Mitgefangenen dabei hatten, wenn sie ihn erniedrigten, ist echt schockierend“, so Van der Aa.
Die Gewerkschaften in der Haftanstalt reagieren ebenfalls schockiert und führen dies nicht zuletzt auch auf die Überbelegung der Zellen in den belgischen Gefängnissen zurück: „Gestern wurden mit einer Situation konfrontiert, die jede Vorstellungskraft überschreitet. Eine direkte Folge von dem, das wir als Gewerkschaften seit Jahren schon deutlich kritisieren. Die Überbelegung und die Unterbesetzung haben dafür gesorgt, dass diese grausamen Bilder entstehen konnten.“
Politische Reaktionen
Bundesjustizminister Paul Van Tigchelt (Open VLD) bezeichnet die Vorgänge um die Folterung eines Häftlings durch Mitgefangene im Antwerpener Gefängnis als abscheulich und versprach eine gründliche Untersuchung der Vorgänge.
Die Oppositionspartei N-VA ist der Ansicht, dass Van Tigchelt und sein Vorgänger und Parteikollege Vincent Van Quickenborne zu wenig in die Gefängniskapazität in Belgien investiert haben.
Van Tigchelt sagte darauf, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen diesem Vorwurf und den Foltervorgängen gebe. Die Gewerkschaften der Haftanstalt sehen diese Sache aber genau so und führen dies direkt auf die Überbelegung der Gefängnisse in Belgien zurück.
