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Analyse: Eine Regionalisierung der belgischen Bahn ist nicht förderlich

Die Idee der flämischen Nationaldemokraten N-VA, die belgische Staatsbahn NMBS/SNCB in einen flämischen, einen wallonischen und einen Brüsseler Flügen aufzuspalten, sei „schlechte Sciencefiction“, sagte Bundesverkehrsminister Georges Gilkinet von den frankophonen Grünen Ecolo. Eine Analyse des Verkehrsministeriums unterstreicht, dass ein solches Vorhaben der Bahn als Verkehrsmittel nur schaden würde. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Der frühere Bahnchef Marc Descheemaecker von der N-VA, der auch schon Vorstandsmitglied von Brussels Airport und der flämischen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn war, würde die belgische Bahn aufspalten und in regionale Gesellschaften aufgehen lassen. Gleichzeitig sollte die flämische Sparte mit De Lijn verschmelzen.

„Es ist effizienter, Busse, Straßenbahnen und Züge aufeinander abzustimmen“, sagte Descheemaecker vor einiger Zeit gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen. Die flämischen Nationaldemokraten N-VA fordern dies bereits seit rund 10 Jahren, so das Blatt.

Wie würde eine flämische Eisenbahn aussehen?

Dies ist eigentlich völlig unklar, angesichts der Struktur der inzwischen fast 200 Jahren alten belgischen Staatsbahn und es bleibt die Frage, was die Pendler und die Bahnreisenden in Flandern überhaupt davon haben. Die NMBS/SNCB verfügt über ein eng vernetztes Schienennetz und ist interntional in Sachen Güter- und Personenverkehr auch ein Transitland auf der Schiene.

Fast alle Bahnlinien sind sternförmig rund um die Hauptstadt Brüssel mit ihren drei Hauptbahnhöfen angelegt: Brüssel Nord, Brüssel Zentral und Brüssel Süd/Midi. Die Strecken überqueren insgesamt 31 Mal die Regional- bzw. Sprachengrenzen und es gibt 16 schienengebundene Grenzübergänge zu den Nachbarländern Deutschland, Niederlande, Luxemburg und Frankreich. Eigentlich hängt also alles von allem ab.

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Internationale Züge: Nightjets ab Brüssel-Midi z.B. nach Berlin und Wien

Analyse des Bundesverkehrsministeriums

Bundesverkehrsminister Georges Gilkinet, erklärter Befürworter einer integrierten „Bundesbahn“, hatte seine Verwaltung im Zuge dieser politischen Diskussion darum gebeten, eine mögliche Aufspaltung der Bahn in regionale Einheiten zu analysieren. Daraus wird deutlich, dass fast 1.200 Züge täglich alleine zwischen Flandern und der Wallonie unterwegs sind und sogar fast 1.500 Züge durchqueren auf ihrer Fahrt die Region Brüssel-Hauptstadt.

Summa summarum bedeutet dies, dass fast die Hälfte aller Züge in Belgien die regionalen Grenzen überqueren. Bei getrennten regionalen Bahngesellschaften würde man viel häufiger umsteigen müssen und es müssten neue Bahnverbindungen und Endbahnhöfe entstehen. Das wiederum führt zu Unkosten, die wohl an die Fahrgäste weitergegeben würden.

Hafen-Hinterlandverkehr

Für die europaweit wichtigen Seehäfen Antwerpen, Gent und Zeebrügge würde der Schienengüterverkehr aufgrund der Verkehre durch mehrere Länder und Regionen ungleich teurer (Stichwort unterschiedliche Trassenpreise). Auch die Tarife im Reisezug- und Personennahverkehr könnten unterschiedlich ausfallen und womöglich auch steigen. Bundesverkehrsminister Gilkinet kommt zu dem Fazit: „Die Pläne der N-VA sind schlechte Sciencefiction.“

Descheemaecker ist inzwischen der Ansicht, dass es positiv sei, dass Gilkinet über diese Frage nachdenke: „Allerdings scheint seine Analyse auf einigen schnell zusammengerafften Argumenten zu basieren, um einer objektiven Debatte aus dem Weg zu gehen.“ N-VA-Politiker Marc Descheemaecker ist auf eine konkrete Frage von De Morgen, ob unser Land denn nicht zu klein für ein eigenes Bahnsystem sei, eingegangen und sagte, dass dies nicht der Fall sei: „Länder, wie Dänemark, Norwegen und Luxemburg haben viel kleinere Eisenbahnunternehmen als wir.“

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"Die belgische Bahn soll wieder ein einheitliches Unternehmen werden"

Bei den Eisenbahnergewerkschaften liegt eine völlig andere Ansicht zu belgischen Bahn vor. Hier will man die NMBS/SNCB aufgrund ihrer Komplexität wieder zu einem einheitlichen System umformieren. Die sozialistische Gewerkschaft ACOD Spoor z.B. will zurück zu den Wurzeln und die einzelnen Geschäftsbereiche (heute: Bahngesellschaft NMBS/SNCB, Infrastruktur-Dienstleister Infrabel und Personaldienstleister HR-Rail) auflösen und wieder in ein integriertes System einfassen. Dies sei einfach umzusetzen und möglich, denn „Die EU verlangt eine buchhalterische Aufteilung der Geschäftsbereiche und keine operationelle wie in Belgien.“  

Ein belgischer und ein deutscher Reisezug begegnen sich in Brüssel-Midi

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