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Der Lebensstil ist eine der wichtigsten Erklärungen für die Zunahme der Fettleibigkeit bei Kindern

In Belgien haben jeder fünfte Erwachsene und 8 Prozent der Kinder mit Fettleibigkeit zu kämpfen

Wenn das Körpergewicht bei einer gegebenen Körpergröße über das Normalmaß hinausgeht, spricht man von Übergewicht. Starkes Übergewicht wird auch als Adipositas oder Fettleibigkeit bezeichnet und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eigenständige Krankheit eingestuft. In Belgien betrifft dies immer mehr Erwachsene, aber auch Kinder und Jugendliche.

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Weltweit ist 1 von 8 Menschen fettleibig. Das geht aus einer großen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor. Der Anteil der fettleibigen Erwachsenen hat sich in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt. Bei Kindern und Jugendlichen haben sich die Zahlen sogar vervierfacht.

Fettleibigkeit (oder Adipositas) ist fast überall auf der Welt ein wachsendes Problem. Jüngsten Zahlen zufolge wurde im Jahr 2022 die Marke von 1 Milliarde fettleibiger Menschen überschritten. Das bedeutet, dass mehr als 1 von 8 Menschen weltweit stark übergewichtig ist.

Der prozentuale Anteil fettleibiger Erwachsener (ein BMI von 30 oder mehr) hat sich im Vergleich zu 1990 mehr als verdoppelt. Im Jahr 2022 waren 18,5 Prozent der Frauen weltweit fettleibig, im Jahr 1990 waren es noch 8,8 Prozent. Der Anteil der fettleibigen Männer hat sich in 30 Jahren fast verdreifacht, von 4,8 Prozent im Jahr 1990 auf 14 Prozent im Jahr 2022.

In absoluten Zahlen gibt es sogar 4,5 Mal mehr fettleibige Erwachsene als 1990. Dass der Anstieg in absoluten Zahlen größer ist, ist auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen.

Auch in Belgien ist die Lage sehr besorgniserregend

In Belgien liegen die Zahlen für Fettleibigkeit höher. Der Studie zufolge kämpft durchschnittlich 1 von 5 erwachsenen Belgiern mit Fettleibigkeit. 21,2 Prozent der Frauen sind fettleibig, 1990 waren es noch 13,7 Prozent. Bei den Männern stieg der Prozentsatz von 11,1 auf 19,8 Prozent.

7,9 Prozent der belgischen Jungen zwischen 5 und 19 Jahren waren 2022 fettleibig. Auch das ist eine Verdoppelung im Vergleich zu 1990 (3,8 %). Bei den Mädchen blieb der Prozentsatz mit 5 % ungefähr gleich.

Immer mehr Kinder betroffen

Katrien Boonen, seit 24 Jahren Krankenschwester mit Schwerpunkt Kindergesundheit, ist von den Zahlen nicht schockiert. "Während meiner gesamten Laufbahn habe ich festgestellt, dass die Zahl der übergewichtigen und fettleibigen Kinder und Jugendlichen steigt, auch bei immer jüngeren Kindern. Wir führen Gespräche mit Eltern von Erstklässlern, bei denen wir einen spektakulären Anstieg der Gewichtskurve beobachten."

Boonen macht den Lebensstil als eine der Hauptursachen für diesen Anstieg verantwortlich. "Wir essen mehr als früher viel und mehr energiereiche Nahrung; es ist auch leichter, an energiereiche Nahrung zu kommen. Wir bewegen uns auch weniger. Wo Kinder früher viel mehr draußen gespielt haben, stellen wir heute in unseren Gesprächen mit Kindern fest, dass sie sehr oft mit Bildschirmen beschäftigt sind. Früher sind sie mehr zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule gegangen, heute fahren sie mit dem Auto oder dem Bus." Die Rechnung ist schnell gemacht: mehr Energieaufnahme, weniger Energieverbrauch, was zu einem höheren Gewicht führt.

Auch Professorin Inge Gies, Leiterin der Abteilung für Kinderheilkunde an der Adipositas-Klinik am UZ Brüssel, verweist auf einen veränderten Lebensstil. Darüber hinaus sieht sie eine weitere Erklärung. "Wir beobachten auch eine Zunahme der Fettleibigkeit bei Erwachsenen. Wenn übergewichtige junge Paare schwanger werden, ist es wahrscheinlicher, dass ihr Kind später das Gleiche Problem entwickelt. Wir laufen also Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten, in dem immer mehr Kinder und junge Erwachsene fettleibig sind".

Den Kreislauf durchbrechen

Fettleibigkeit lässt sich am besten von Kindheit an verhindern oder bekämpfen. "Wenn Kinder übergewichtig sind, ist es viel wahrscheinlicher, dass sie es auch bleiben. Mehr als 60 Prozent von ihnen werden als Erwachsene fettleibig sein, wenn man nichts dagegen unternimmt. Wenn man es früh erkennt oder noch besser, wenn man es vermeidet, dann hat man die größten Chancen, diesen Kreislauf zu durchbrechen", sagt Professor Gies.

Aber es gibt auch Risiken der Fettleibigkeit in jungen Jahren. "Generell wissen wir, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Essstörungen steigt", sagt Boonen. "Außerdem wirkt es sich auch auf die Sexualhormone aus. Jungen können später in die Pubertät kommen, Mädchen dagegen früher. Die Menstruation setzt früher ein, in anderen Fällen aber nicht, oder sehr unregelmäßig."

Früher sagte man immer, man solle bei Kindern nicht zu viel Wert auf das Gewicht oder die Ernährung legen. Das tun wir aber inzwischen aber wohl, so Professorin Gies. "Die Leute dachten, Kinder würden mit zunehmendem Alter wieder magerer, aber das ist leider oft nicht der Fall. Jetzt gibt es viel mehr Kampagnen zur Vermeidung von Fettleibigkeit bei Kindern. Als Gesellschaft und aus politischer Sicht müssen wir uns darauf konzentrieren, denns elbst in jungen Jahren birgt die Fettleibigkeit Gefahren.“

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