Zum Hauptinhalt springen

Zahl der Sterbehilfefälle in Belgien um 15 Prozent gestiegen

Vor zwei Jahrzehnten eingeführt, hat sich die Tötung auf Verlangen bei Schwerkranken in Belgien inzwischen etabliert: Die Zahl der Sterbehilfefälle im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf 3.423 gestiegen. Laut belgischem Bundeskontroll- und Evaluationsausschuss Euthanasie (FCEE) entscheiden sich in drei von 100 Sterbefällen die Betreffenden für Sterbehilfe und  bestimmen also  selbst, wann sie aus dem Leben scheiden wollen.

Veröffentlicht:

Im Vergleich zu 2022 stieg die Quote von 2,5 auf 3,1 Prozent. In Belgien ist aktive Sterbehilfe seit 2002 erlaubt. Bedingung ist, dass eine Person ihren Wunsch bei vollem Bewusstsein, überlegt und wiederholt bekundet und auf nicht zu lindernde Weise körperlich oder psychisch leidet. 2022 entschieden sich 2.966 Patienten für diesen Schritt, 2021 noch 2.699.

"Der starke Anstieg in den letzten zwei Jahren ist zum Teil auf den Rückfall während der Corona-Krise zurückzuführen", stellt der Chirurg Luc Proot fest. Auf jeden Fall hat der Ausschuss seit Inkrafttreten des Gesetzes eine allgemeine Zunahme festgestellt. "Das Problembewusstsein ist sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten gestiegen, aber auch die Unterstützung in der Bevölkerung hat deutlich zugenommen", so Proot weiter.

Tod wäre ohnehin in absehbarer Zeit eingetreten

Den Angaben zufolge waren 71 Prozent der Patienten, die um Sterbehilfe baten, älter als 70 Jahre und 42 Prozent älter als 80. Personen unter 40 Jahren machten nur 1,1 Prozent der Fälle aus. Unter denen, die im vergangenen Jahr um Sterbehilfe baten, war auch ein Minderjähriger.

In 79 Prozent der Fälle war der behandelnde Arzt der Ansicht, dass der Tod ohnehin in absehbarer Zeit eintreten würde. Die meisten Patienten, die sich im Jahr 2023 für Sterbehilfe entschieden, litten an Krebs (55,5 Prozent), an einer Kombination mehrerer chronischer und unheilbarer Krankheiten (23,2 Prozent) oder an Nervenkrankheiten wie ALS (9,6 Prozent). Kognitive Störungen, wie die Alzheimer-Krankheit (Demenz), machten 1,2 Prozent aus.

110 der Personen, die Sterbehilfe nach belgischem Recht in Anspruch nahmen, hatten ihren Wohnsitz im Ausland, überwiegend in Frankreich, wo die aktive Sterbehilfe verboten ist. Die Debatte zur Legalisierung der Sterbehilfe ist dort sehr aktuell, und wahrscheinlich deshalb suchen einige Franzosen nach einer Lösung, in diesem Fall in Belgien. Da die Nennung des Wohnorts bei der behördlichen Erfassung nicht verlangt werde, handle es sich hierbei um eine Untergrenze, hieß es in der Mitteilung. 

Flämische Ärzte gewähren Sterbehilfe häufiger als ihre französischsprachigen Kollegen

Interessanterweise wurden sieben von zehn Registrierungsdokumenten auf Niederländisch verfasst, gegenüber 29,2 Prozent auf Französisch. Hierbei ist aber die Sprache des Arztes maßgeblich und nicht unbedingt die des Patienten. Es ist jedoch ein Hinweis darauf, dass die Sterbehilfe unter Flamen stärker verbreitet ist als unter Wallonen.

Auch im Jahr 2023 wurden die meisten Sterbehilfefälle zu Hause durchgeführt (48,6 Prozent), gefolgt von Krankenhäusern und Palliativstationen (32 Prozent) und Pflegeheimen (17,6 Prozent).

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5