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Der Beginenhof von Diest

Diest: Der Beginenhof, die Grauschwestern und die Geschichte der Pflege

Die Stadt Diest im Hageland in der Provinz Flämisch-Brabant gilt als Wiege der Pflege in Flandern. Der Beginenhof (Foto) und die Grauschwestern haben hier einen großen Anteil dran. Die Geschichte zieht sich durch die Stadt und dies bis heute, denn die Grauschwestern legten nicht zuletzt den Grundstein für die moderne Psychiatrie in dieser Region. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Der Beginenhof von Diest gehört mit 12 weiteren Beginenhöfen in Flandern seit Dezember 1998 zur Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Die flämischen Beginenhöfe sind bis heute Zeugnis einer religiösen Tradition, die bis in das Mittelalter zurückgehen. Beginen waren Frauen - Witwen oder ledige Personen - die sich ohne ein klösterliches Gelübde abzulegen, für ein zwar unabhängiges aber solidarisches Leben im Dienste Gottes entschieden. Sie gelobten Gehorsam und Keuschheit aber sie entschieden sich nicht für die Armut.

Die Beginen von Diest gehörten zum Orden der Grauschwestern, deren Patronin die heilige Elisabeth von Thüringen war, die sich im 13. Jahrhundert für die Armen einsetzte. Der Beginenhof von Diest entstand in mehreren Phasen im 17. und im 18. Jahrhundert und seit dem hat sich dort nicht viel verändert, wie man heute noch sehen kann. Die Grauschwestern aber waren schon viel früher in der Gegend. Offiziell wurden sie hier zum ersten Mal 1376 in Dokumenten erwähnt, doch sie waren wohl davor schon hier aktiv.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

In solchen Gebäuden im Beginenhof fanden die Grauschwestern Zuflucht, als sie von den Franzosen unter Naoploeon vertrieben wuden

Grauschwestern waren nicht an ein Kloster gebunden

Die Grauschwestern lebten zwar faktisch in einem klösterlichen Umfeld, durften dieses aber verlassen. Also gingen sie zu den Menschen, die ihre Hilfe brauchten, zu den Armen und den Kranken und Ausgestoßenen. 1528 übernahmen sie auch das Pesthaus von den Schwarzschwestern, die Diest kurz davor verlassen hatten. Gemeinsam mit den Alexianern übernahmen sie die Pflege der Pestkranken.

Ende und Neuanfang in der Psychiatrie

1796 wurden die Grauschwestern aus ihren Kloster am Beginenhof in Diest von den Franzosen vertrieben. Sie fanden aber eben in diesem Beginenhof Zuflucht und setzten sich weiter für die Armen und die Kranken in der Stadt und in der Umgebung ein. Schon 1907 kauften sie ihr Kloster zurück und begannen mit der Pflege von Geisteskranken.

Die Einsichten und Erkenntnisse, die die Grauschwestern hierbei erhielten, entwickelten sich weiter und weiter und das Kloster wurde im Laufe der Zeit zu einen psychiatrischen Krankenhaus, was es auch heute noch ist. Die Grauschwestern sind schon lange nicht mehr da, doch die Vereinigung vzw. Sint-Annendael betreibt diese Klinik bis heute weiter.

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Auch das Museum in der Gasthuis-Apotheke erzählt Geschichte(n) zur Pflege in Diest

Diest

Die Stadt Diest liegt am Ufer der Demer quasi auf der Grenze zwischen dem Hageland und den Kempen und am damaligen Handelsweg zwischen Lüttich und Köln. Im Osten grenzt die Großgemeinde zudem an die Provinz Limburg. Heute zählt die Gemeinde rund 24.000 Einwohner von denen etwa 11.000 in der Stadt selbst leben.

Stadtrechte erhielt Diest 1229 von Herzog Hendrik von Brabant, doch die Stadt hat auch enge Bande mit den Oraniern mit dem Haus Nassau. Lange lebe man hier von der Landwirtschaft und von der Tuchmacherei. Diest ist gemeinsam mit Breda in den Niederlande, Orange in Frankreich und Dillenburg in Deutschland Teil der Union der Oranierstädte.

Heute prägen Landwirtschaft, Tourismus, Handel und Dienstleistung die Stadt, die mit Sehenswürdigkeiten, wie dem Großen Markt, der St. Sulpitiuskirche, der St. Katharinakirche, dem Beginenhof, dem Apothekenmuseum, dem Refuge van Averbode, der Ezeldijk-Mühle und mit einigen feinen Museen lockt. Auch das Pegasus-Museum in der historischen Festung ist einen Besuch wert. 

Denkmal für die Grauschwestern im Park des Beginenhofes

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