Das sogenannte Lohnhandicap Belgiens gegenüber den Nachbarländern wird im laufenden Jahr 2024 auf 1,8 % sinken. Dieser Wert zeigt an, wie groß die Lohn- und Gehaltsunterschiede in Belgien gegenüber Deutschland, Frankreich und den Niederlanden sind. Diese Entwicklung könnte auch dafür sorgen, dass es dieses Jahr kaum Einkommenserhöhungen in unserem Land geben wird.
Einkommensentwicklung: Belgiens Lohnhandicap gegenüber den Nachbarländern nimmt ab
Dass dieser Wettbewerbsnachteil gegenüber den direkten Nachbarländern in unserem Land sinkt, ist auch auf den automatischen Lohnindex zurückzuführen. In Belgien passt der Index die Einkommen an die Inflation an.
Dadurch waren die Löhne und Gehälter hier zwar schneller angestiegen, als in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, doch auch dort steigen die Einkommen gerade an. Und dies wiederum sorgt dafür, dass sich die Lohnkosten in der Wirtschaft in den hier genannten Ländern angleichen.
Nebeneffekt kann sein, dass sich diese Entwicklung auch auf anstehende Tarifverhandlungen auswirken kann. Sinkt das Lohnhandicap, können Löhne und Gehälter nach oben angepasst werden.
Die Arbeitgeber in Belgien fordern in diesem Zusammenhang einmal mehr ein Ende des automatischen Einkommens-Indexes, denn dieser sei ein Hindernis für die Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft. Dies bringe auch Probleme für den Export.
Inzwischen aber ist in einigen anderen EU-Ländern die Rede davon, einen solchen Lohnindex nach belgischen Vorbild einzuführen. Damit könne man auf Entwicklungen, wie die vergangene Energiekrise oder die steigende Inflation adäquat reagieren, so die Argumentation. Hier liegen - wie in Belgien auch - die Ansichten von Arbeitgeber und Gewerkschaften weit auseinander.
Keine höheren Einkommen dieses Jahr?
Die Berechnung des Lohnhandicaps gegenüber den Nachbarländern wird vom Zentralen Wirtschaftsrat erstellt und soll 2024 bei 1,8 % liegen. Vor 3 Jahren lag dieser Wettbewerbsnachteil noch bei 5 %. Die sozialistische Gewerkschaft ABVV hält diese Berechnung, die in die Tarifverhandlungen mit einbezogen wird, für wenig vertrauenswürdig und fordert deren Abschaffung. Seit einer entsprechenden gesetzlichen Regelung aus dem Jahr 1996 wird das Lohnhandicap an die Einkommensentwicklung gekoppelt.
Nach Meldungen der Wirtschaftszeitungen De Tijd und L’Echo sorgt die aktuelle Entwicklung dafür, dass in diesem Jahr Lohn- und Gehaltserhöhungen in Belgien kaum möglich seien. Auch aufgrund des Lohnhandicaps soll die Lohnnorm dieses Jahr bei 0 liegen. Das würde bedeuten, dass die Einkommen 2024 (und auch in den Folgejahren) quasi nur über den Lohnindex steigen.
