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Belgiens Justizminister Paul Van Tigchelt
Inland
Justiz

Drogengewalt in Brüssel: "Die Polizei ist zu sehr mit anderen Problemen beschäftigt"

Belgiens Justizminister Paul Van Tigchelt (Open VLD, Foto) reagiert auf die Frage, ob die Polizei angesichts der dramatisch zunehmenden Drogengewalt in der belgischen Hauptstadt nicht überfordert ist, beschwichtigend gegenüber VRT NWS: „Es sind schon viele Polizisten dazugekommen, doch die Polizei ist zu sehr mit anderen Problemen beschäftigt.“ Einige Bürgermeister aus Brüsseler Gemeinden fordern mehr Polizei auf der Straße. 

Andreas Kockartz
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Nach einigen Schießereien mit Verletzten und einem Toten sowie nach der Verhaftung einer Person, die im Besitz einer Kalaschikow war, in den vergangenen Tagen in der Umgebung Marollen und Hallepoort, die mutmaßlich mit Revierkämpfen der internationalen Drogenmaffia zu tun haben, steht die Polizei in der Kritik. „Ich verstehe, dass die Leute in den betroffenen Vierteln in Brüssel das Gefühl haben, dass zu wenig passiert.“

Doch während er und sein Ministerium politisch in dieser Hinsicht einiges verändert und währenddessen auch mehr Polizisten in Brüssel zum Einsatz kommen, lässt sich das auf der Straße noch nicht fühlen.

Justizminister Van Tigchelt hat bei Europol eine Analyse der internationalen Drogennetzwerke eingefordert, die Brüssel und andere Städte in Belgien betreffen. Sicher ist, dass die Banden, die in Brüssel um Territorium kämpfen, internationale Verbindungen haben. Spezifisch für die belgische Hauptstadt seien hier die Drogenmaffia aus Marseille und Drogenringe aus Albanien genannt. 

"Es war noch nie so viel Polizei auf dem Terrain wie heute"

Justizminister Van Tigchelt ist deutlich: „Es war noch nie so viel Polizei auf dem Terrain wie heute. Doch unsere Polizei wird zu sehr mit Aufgaben belastet, die ihr nicht zukommen. In bestimmten Vierteln, wie Peterbos in Anderlecht, kommen alle Probleme unserer Gesellschaft zusammen. Ich spreche da zum Beispiel die Illegalität an, etwas, wo die Polizei mit konfrontiert wird, doch wo sie eigentlich nichts mit zu tun hat.“

Jurgen De Landsheer, der Korpschef der Polizeizone Brüssel-Süd, unterstreicht dies: „Wir haben effektiv mehr Leute, doch die haben auch mehr Aufgaben bekommen. Denken sie zum Beispiel an das Bewachen von Gefängnissen, wenn die Wärter wieder einmal streiken.“ In dieser konkreten Frage sind sich beide durchaus einig… 

"Es wird zuerst schlechter und dann besser"

Der liberale Minister erinnert daran, dass Polizei und Justiz in Sachen Drogenkriminalität sehr aktiv ist: „Wir jagen die Drogenbosse. Sie werden nervös und fühlen sich nicht länger straflos. Sie sind verängstigt. Darum wird es zuerst schlechter, bevor es später besser wird.“

Die Gefängnisse seien nicht zufällig voll, so Van Tigchelt: „Und das betrifft zu einem großen Teil auch Drogenkriminelle.“

Es komme darauf an, das drogenrelativierte Verdienmodell der Maffia zu treffen und zu brechen. Dies sei nicht einfach, denn die Drogenbanden können auf eine fast endlose Menge an Helfern zurückgreifen, zumeist Menschen, die leicht zu haben seien, wie Arbeitslose, aussichtslose Jugendliche oder Leute, die sich illegal im Land aufhalten. Deshalb betreffe dieses Problem nicht nur Polizei und Justiz, sondern mehr Sektoren in der Gesellschaft, zum Beispiel auch das Unterrichtswesen und den Arbeitsmarkt.  

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