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Die zukünftige Tarifpolitik der belgischen Bahn wirft schon jetzt Fragen auf

Bahnfahren soll in Belgien in absehbarer Zeit „40 % günstiger werden“. Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB will ihre Preispolitik bei den Fahrkarten und Abonnements vereinfachen und an der Basis liegt die Ankündigung, dass die Tickets um 40 % günstiger werden sollen. Doch konkret auf Basis von heutigen Tarifen ausgerechnet, werden einige Fahrkarten eher teurer, z.B. für Senioren. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Aktuell können Pensionierte und Personen über 65 Jahre in Belgien für 8,30 € überall hin und wieder zurückfahren, wenn sie ihre Fahrt nach 9 Uhr morgens, also nach der Stoßzeit der Pendler antreten. Im neuen Tarifsystem ist vorgesehen, dass Rentnern immer und zu jeder Zeit eine Preisreduktion von 40 % auf den normalen Fahrpreis gewährt wird.

Bei kurzen Abständen können die Rentnerinnen und Rentner tatsächlich günstiger bahnfahren, denn eine Fahrt zwischen Gent en Lokeren in Ostflandern wird dann 6,6 € kosten. Doch eine Fahrt z.B. von Eupen in Ostbelgien zur Küste wird ungleich teurer. Dagegen protestieren Fahrgast- und Rentnerverbände schon jetzt. Hier wurde errechnet, dass eine Fahrt von Antwerpen nach Ostende mit 40 % Ermäßigung 26,16 € kosten wird, statt 8,30 € wie aktuell noch. 

"Nicht hinnehmbar"

Die Verbände halten die neue Preispolitik der belgischen Bahn für nicht hinnehmbar. Sie befürchten, dass die älteren Mitbürger hier benachteiligt und zurück ins Auto gedrängt werden „mit allen negativen Folgen für die Verkehrssicherheit, das Klima und die Staus.“

Sie schlagen der Bahn vor, ein Jahresabo zum Preis von 50 € einzuführen, die es die anderen ÖPNV-Anbieter in Belgien haben: De Lijn in Flandern ist mit 56 € jährlich dabei, die Brüsseler MIVB/STIB mit 12 € für Brüsseler und 60 € für Auswärtige und TEC in Wallonien mit 12 €. Bei der Bahn heißt es dazu: „Geht nicht. Ist nicht rentabel.“ 

Unausgereiftes System zum Nachteil aller?

Gleiches wie den Pensionierten droht auch den Jugendlichen und den jungen Menschen unter 26 Jahren. Sie verlieren dann ebenfalls ihren Vorteilsfahrpreis von 7,5 € pro Fahrt. Und unlängst erst verkündete die Bahn das Aus für die günstigeren Fahrkarten für kinderreiche Familien. Vor dem Hintergrund, dass vor einiger Zeit auch die Öffnungszeiten der Bahnschalter in den Bahnhöfen in Belgien drastisch eingeschränkt werden, macht sich die belgische Bahn gerade nicht besonders beliebt.

Details würden noch nicht festgelegt, so Bahnsprecher Dimitri Temmerman gegenüber den Medien. Und wo Bundesverkehrsminister Georgen Gilkinet (Ecolo) das Resultat findet, dass Bahnfahren nach der Tarifanpassung „für viele Menschen preiswerter“ werden soll, ist undeutlich. Der Tarifplan soll aber erst im kommenden Jahr greifen, so die Bahn dazu.  

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