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Brüssel: Der Kunstberg und seine Geschichte

Jeder kennt den Kunstberg in Brüssel und auch die meisten Touristen kommen hier vorbei, denn an kaum einem anderen Ort in der Nähe des historischen Stadtzentrums wird ein solches Panorama geboten. Die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ hat sich in ihrer Reihe Big City einmal mit der Frage auseinandergesetzt, woher der Name des Kunstbergs kommt und damit die Geschichte dieses magischen Ortes zusammengefasst.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Im 19. Jahrhundert sah der Hügel, auf den sich heute der Kunstberg befindet, noch sehr leer aus. Damals hieß er übrigens noch Hofberg. Dieser Hügel verband seinerzeit die chique Oberstadt mit der mittelalterlichen Unterstadt. Aber im Laufe der Zeit nahm auch in der belgischen Hauptstadt der Verkehr zu (mit Kutschen) und es kam der Gedanke auf, eine schnellere Verbindung zwischen Ober- und Unterstadt zu schaffen.

Doch hier gab es zwei nicht unerhebliche Probleme: Zum einen war da ein Höhenunterschied von 40 Metern und zum anderen lag am Fuße des Hofbergs das Sankt-Rochus-Viertel, ein Geschäftsviertel und die Magdalena-Landstraße. Gleich mehrere Architekten und Städtebauer haben sich hieran die Zähne ausgebissen. Entweder stellte sich die Stadt Brüssel quer oder es gab Vorbehalte vonseiten der staatlichen Behörden. Nicht zuletzt erwies sich das Vorhaben als sehr teuer, denn gerade erst hat sich Brüssel die Überbauung des Flüsschens Zenne einiges kosten lassen.

König vs. Bürgermeister

Indessen träumt König Leopold II. davon, am Hofberg alle kulturhistorischen und wissenschaftlichen Einrichtungen und Sammlungen des Landes an einem Ort zu konzentrieren. Der Hügel sollte „das Gedächtnis der Nation“ werden. Der Monarch nahm sich die Berliner Museumsinsel ebenso zum Vorbild, wie auch das Kunstareal in der Maxvorstadt in München. Dies sollte auch dabei helfen, die Platznot in den Königlichen Museen für Schöne Künste der Stadt und in der Royalen Bibliothek zu lösen, die sich bereits im 19. Jahrhundert entwickelte.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

© BRUZZ: Das so nicht mehr bestehende Sankt-Rochus-Viertel 1896

Aber, Brüssels damaliger Bürgermeister Charles Buls widersetzte sich den Plänen König Leopolds. Er plädierte für eine mehr organische Herangehensweise, die sich urbanistisch gesehen der historischen Unterstadt abpassen sollte und bei der keine Rede davon sein durfte, dass monumentale und klassizistische Bauwerke mit breiten Boulevards das Sankt-Rochus-Viertel verunstalteten.

König Leopold am stärkeren Hebel

Doch daran hielt sich König Leopold II. nicht groß auf. Er mochte dieses Volksviertel mit seinen kleinen Gassen und seinen nicht selten unhygienischen Ecken nicht und griff in seine prallgefüllte Privatschatulle, die sich aus den Einnahmen aus seinen Kolonien in Afrika speisten. Er kaufte die strategisch ideal gelegenen Grundstücke kurzerhand auf und ließ 1897 das Sankt-Rochus-Viertel dem Erdboden gleichmachen. Bürgermeister Buls war entsetzt und nahm einige Zeit später seinen Hut.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

© BRUZZ: Der Kunstberg von Jules Vacherot zur Weltausstellung 1910

In dieser Zeit entstand auch der neue Name des Areals -  „Kunstberg“. Und das kam so: Der König besuchte einmal die zukünftigen Baustellen am damaligen Hofberg und dort wies er mit seinem Spazierstock auf die verschiedenen Höhen der Hauptstadt seines Königreichs, u.a. auf den Poelaertplein und den Justizpalast: „Da liegt der Berg des Gerichts, in Koekelberg liegt der Berg des Herrgotts und hier entsteht der Kunstberg.“

Es dauert noch ein bisschen…

Doch wie dieser Kunstberg einmal aussehen sollte, darüber schieden sich erneut die Geister. Alleine schon die Frage, wer das bezahlen soll, sorgte für Differenzen zwischen dem Monarchen und dem Parlament. 10 Jahre lang lag das Gelände brach. Aber, im Hinblick auf die Weltausstellung im Jahr 1910 sollte sich Brüssel für das internationale Publikum gut aufstellen und eine solche Riesenbaustelle und Brachland wollte damals keiner sehen.

Der französische Architekt Jules Vacherot entwarf damals einen provisorischen Park, der letztendlich in dieser Form rund 40 Jahre lang Bestand haben sollte. Erst zur nächsten Weltausstellung sollte sich das ändern und im Vorfeld der für Brüssel und ganz Belgien wegweisenden Expo 58 wurde der Kunstberg zu dem, was er heute ist.

Der Urbanist René Pechère zeichnete einen neuen Park, um den herum die Königliche Bibliothek von Belgien, der Palast der Dynastie und der Kongresspalast entstanden. Letztendlich wurde die Idee von König Leopold II. doch noch umgesetzt, wenn auch nur in Teilen. Nach und nach aber gesellte sich ein Museum nach dem anderen hinzu und heute kann man von einem „Kunstberg“ in Sinne des Wortes sprechen… 

Kunstberg modern

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