Belgien ist seit Jahrzehnten als ein Festivalland bekannt. Hier finden jährlich zahllose Festivals unterschiedlicher Musikrichtungen statt und die Zahl an Rock- und Popfestivals ist in so einem kleinen Land fast unübersichtlich… 1969, im Jahr von Woodstock, der „Mutter aller Festivals“, fand auch ein solches Event in Europa statt. Geplant wurde es in Frankreich, doch angesichts einer nicht erteilten Genehmigung wichen die Organisatoren nach Belgien aus. Moderator und Ansager war seinerzeit niemand geringerer als Frank Zappa (Foto).
Belpop - Die Geschichte der Rock- und Popmusik: Das erste europäische Woodstock fand in Belgien statt
Die Behörden in Frankreich hielten es nach den Studentenunruhen 1968 in ihrem Land wohl für zu bedenklich, zahllose junge Leute für ein Rockfestival zusammenkommen zu lassen und erteilten den Organisatoren für ihr geplantes Event zwei Wochen vor dem Start noch eine Absage.
Kurzerhand wichen sie nach Belgien aus und zwar in das unauffällige Dörfchen Amougies bei Ronse in der Provinz Hennegau unweit der wallonisch-flämischen Sprachengrenze. Festivaladresse: Mont de l'Enclus in Amougies.
Auch in Belgien war die Suche zunächst nicht einfach. In Tournai, ebenfalls Hennegau, lag ein ideales ehemaliges Militärgelände, doch hier gab es ein Nein, ebenso wie in den neuen „Hallen“ im westflämischen Kortrijk. Im ländlichen Amougies aber gab der Bürgermeister damals grünes Licht, im Gegensatz zu den Städten. Dort wurde innerhalb von nur einer Woche ein Festivalgelände für 5 Tage Musik aus dem Boden gestampft.
Kaum Filmaufnahmen
Das „Festival d’Amougies“ fand vom 24. bis zum 25. Oktober 1969 statt und das Programm war eine Mischung aus Rock, Jazz und Klassig mit Pink Floyd und Frank Zappa als Headliner. Pink Floyd, Ten Years After, Zoo, Archie Shepp, The Nice, Art Ensemble of Chicago, Yes, Gong, Ame Son, Sam Apple Pie, Blossom Toes, Caravan, Captain Beefheart und Soft Machine waren auch dabei. Zappa selbst moderierte das Event und er jammte neben seinem eigenen Konzert noch bei Pink Floyd mit. Gute Filmaufnahmen gibt es von dem Festival nicht wirklich. Nur einige technisch nicht besonders qualitative Aufnahmen kursieren bei YouTube.
Das Festival lief ohne Probleme und ohne Zwischenfälle. Trotz der Tatsache, dass hier gut 15.000 zumeist junge Leute friedlich die Musik feierten (die Zuschauerzahlen varieren je nach Quelle sehr deutlich), blieb das "Festival d’Amougies" ein einmaliges Event. Die Veranstalter, das französische Plattenlabel BYG und das dazu gehörende Musikblatt "Actuel", machten einen gigantischen Verlust und in dem 5.500 m² großen Festivalzelt übernachteten hunderte Besucher. Das Festival hatte zu wenig Einnahmen, doch die lokalen Händler und Geschäfte verdienten gut an den Jugendlichen.
Heute erinnert nichts mehr in Amougies an dieses erste europäische Mega-Festival, doch die älteren Einwohner erinnern sich noch sehr gut und sehr gerne an das Event.
