Über 2,1 Millionen Bürger in Belgien - 18,6 % der Bevölkerung - sind nach Zahlen des belgischen Statistikamtes Statbel von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Statbel veröffentlichte gerade den aktuellen nationalen Armutsbarometer 2023. Im Vergleich zu 2022 hat sich die Situation leicht verbessert, doch regional liegen deutliche Diskrepanzen vor. In Brüssel sind mehr als ein Viertel der Bevölkerung armutsgefährdet.
Leichte Entspannung aber noch fast 20 % der Bevölkerung in Belgien ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht
Im Laufe des vergangenen Jahres hat sich die soziale Lage für einige betroffene Gruppen leicht verbessert, die aus den Statbel-Zahlen ersichtlich ist. Das betrifft besonders auf Geringqualifizierte, auf alleinstehende Eltern und deren Kinder sowie auf über 65-Jährige zu. Hinzu kommt, dass es Mietern in dieser Hinsicht etwas besser geht (von 29,1 % auf 26,3 % gesunken).
Regionale Unterschiede
Regional allerdings sind die Unterschiede in den Armutsstatistiken sehr deutlich. Besonders prekär ist die Lage in der Region Brüssel-Hauptstadt (27,7 %) und am besten geht es Flandern (7,8 %). Die Wallonie befindet sich 15,3 % irgendwo dazwischen.
Auch auf der Ebene der Provinzen gibt es deutliche Unterschiede. Die flämischen Provinzen unterscheiden sich nicht sehr stark voneinander in der monetärer Armut, mit Ausnahme von Antwerpen, wo höhere Werte verzeichnet werden. Auch in Wallonien sind die Unterschiede der monetären Armut nicht sehr ausgeprägt, nur in Wallonisch-Brabant ist das Niveau deutlich niedriger.
Armutsgrenze
Die Armutsgrenze wird jährlich pro EU-Land neu berechnet. Im neuen Jahr liegt in Belgien sie für eine alleinstehende Person bei einem Einkommen von 1.450 € (plus 84 €). Bei einer Familie mit beiden Eltern und 2 Kindern liegt sie bei 3.045 €.
Was inzwischen auch in unserem Land auffällt, ist, dass Arbeitnehmer unter diese Armutsgrenze fallen, was an der Besteuerung von Index- und Gehaltsanpassungen liegt, die dafür sorgen, dass Betroffene in einer höheren Steuerklasse landen und damit auch höher besteuert werden.
Deprivation
Auf nationaler Ebene leiden 1,7% der Bevölkerung unter schwerer wohnungsbezogener Deprivation. Eine Person ist von wohnungsbezogener Deprivation betroffen, wenn er in einer als überbelegt geltenden Wohnung lebt, die gleichzeitig mindestens eines der Kriterien für wohnungsbezogene Deprivation aufweist: (a) undichtes Dach, (b) Feuchtigkeit in den Wänden oder in den Böden, (c) Fäulnis im Holzkonstruktion, (d) kein Bad/keine Dusche und keine Toilette in der Wohnung, (e) die Wohnung wird als zu dunkel betrachtet. Dieses Problem tritt kaum in Flandern (0,4%) und Wallonien (0,9%) auf, sondern fast ausschließlich in Brüssel (10,9%).
Quelle: Statbel
