Hannes und Lore wohnen im Rabot-Viertel in Gent und sind dabei, ein altes Haus zu renovieren. Dabei machten sie eine besondere Entdeckung, als sie eine Wand durchbrechen wollten. Sie stießen auf ein Bild, ein Selbstportrait von Vincent Van Gogh. Ist es ein echter Van Gogh? „Wir glauben, dass hier früher ein Bordell war und dass er das Bild als Bezahlung hiergelassen hat…“
Bei einer Renovierung in Gent taucht ein Gemälde auf: Ist es ein Van Gogh?
Lore und Hannes kauften 2008 ein Haus in der Jozef II.-Straße im Genter Rabot-Viertel, das sie umbauten. Doch dieses Haus wurde schnell zu klein, denn das Paar bekam Kinder. Jetzt konnten die das Nachbarhaus erwerben und begannen sofort, dieses so umzubauen, dass man einen Durchgang zum ersten Haus schaffen kann, damit ihr Wohnraum größer werden kann.
Hannes machte hier vieles mit Freunden selbst und einer dieser Freunde rief den Bauherren, als er im Erdgeschoss eine Mauer zwischen den beiden Häusern durchbrechen sollte. „Hier ist sich etwas hinter dem Putz“, so der Kumpel und dann kam das Gemälde zum Vorschein. „Das Bild ist direkt auf dem Putz entstanden. Ich erkannte den Van Gogh sofort“, so Lore. Doch eine Kontaktaufnahme zu einer möglichen Untersuchung durch das Van Gogh-Museum in Amsterdam blieb unbeantwortet. Hier können nur anerkannte Kunstfachleute mit einer Reaktion rechnen.
Ein Kenner schaut nach
Nach einiger Zeit nimmt ein international anerkannter Fachmann Das Bild in Augenschein und der bemerkt den alten Putz und doch stellt er fest: „Die malende Hand ist unhandlich und der Stil von Van Goch hat sich entwickelt, doch es ist nicht ganz auszuschließen.“
Lore und Hannes haben inzwischen ihre eigene Theorie: „Wir glauben, dass Van Gogh hier gewesen ist und dass das hier einmal ein Bordell war. Er hat das Bild wohl als Bezahlung hier gelassen. Das Viertel wurde zwischen 1875 und 1890 gebaut. Wir wissen, dass er 1886 in Antwerpen war, bevor er nach Paris ging.“
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Was sagt die Geschichte?
Die Geschichte sagt, dass Vincent Van Gogh eine Zeit lang in der protestantischen Gemeinschaft aktiv war und er war in der protestantischen Gruppe in der kleinen Ortschaft Horebeke in den flämischen Ardennen, nicht weit von Gent. Und im Rabot in Gent gab es zu dieser Zeit ebenfalls eine protestantische Kirche. Gibt es da einen lokalen Zusammenhang?
Die Theorie von Hannes und Lore müsste bewiesen werden. In den Archiven des Van Gogh-Museums tauchen Briefe und Notizen auf, die der Maler seinem Bruder Theo 1885 schickte. Er reiste am 26. Juni 1885 von Paris in seine niederländische Heimat und kam dort 3 Tage später an. Er legte Zwischenstopps in Lille, Gent und Antwerpen ein. Dabei besuchte er Kunsthäuser, weil er sich mit flämischer Malerei beschäftigte. Wo er sich damals aufhielt, ist nicht bekannt und auch nicht, ob er im Rabot war.
Andere Theorien?
Vielleicht aber gibt es eine völlig andere Theorie. Eine alte Dame, die früher in diesem Haus gelebt hat, sei eine kunstinteressierte Person gewesen. Vielleicht habe sie das Bild auf den Putz gemalt, so Hannes, doch die Frau lebt heute nicht mehr. Ihr Sohn allerdings behauptet, dass er das Bild schon gesehen habe und zwar vor 1993 schon, als seine Mutter das Haus kaufte.
Es könnte seiner Ansicht nach sein, dass Studenten, die davor hier gewohnt haben, das Bild auf die Wand gemalt haben. „Vielleicht gibt es noch Leute, die sich an das Bild oder das Haus erinnern. Wir möchten die wahre Geschichte dahinter kennen. Bis dahin glauben wir aber gerne, dass das ein echter Van Gogh ist“, sagen Lore und Hannes schmunzelnd zu der Geschichte.
Inzwischen meldete sich übrigens die Universität Gent (UGent) bei den beiden. Hier will man das Gemälde einmal unter die Lupe nehmen und eine Expertise anfertigen, falls sich Hinweise auf eine Echtheit des Bildes ergeben, die mindestens mit dem fraglichen Zeitraum im Leben Van Goghs übereinstimmen.
