Nicht nur die Landwirte in Belgien haben Sorgen, sondern auch die Fischer an der Nordseeküste. Nach Jahren der Besserung gehen die Fischbestände wieder zurück. 2023 war schon ein schlechtes Jahr für die Garnelen und jetzt senkt die EU die Fangquoten für Seezunge. Überall, nicht nur in Europa, sollen die Zuschüsse für die Fischerei gesenkt oder gestoppt werden, um auch so der Überfischung entgegenzuwirken, schreibt die flämische Tageszeitung De Standaard. Besonders die Nordsee und die angrenzenden Meere sind betroffen.
EU-Quoten und EU-Zuschüsse: Auch Flanderns Fischer plagen Zukunftssorgen
In den 1990er Jahren habe es eine enorme Überfischung gegeben, doch damals griff unter anderem die EU ein, was durch Fangbeschränkungen und einer Verkleinerung der Flotten für eine Verbesserung sorgte. Doch, wie es beim Institut für Landwirtschaft-, Fischerei- und Lebensmittelforschung (Ilvo) dazu heißt, geht es seit den Jahren 2015-2016 wieder in die falsche Richtung.
Bei Steinbutt, Makrele und Hering gehen die Bestände wieder deutlich zurück. Dies führt das Ilvo u.a. auf Überfischung durch riesige Industriefischerboote zurück, aber auf den Klimawandel und eine Erwärmung der Meere.
Die Fischschwärme verlassen die eher untiefe Nordsee, die deutlich wärmer wird, weiter in Richtung Norden, wo sie besser Nahrung finden. Flanderns Fischer stellen das laut De Standaard auch an der Garnele fest, für die es 2023 ein schlechtes Fangjahr war. Doch es könnte sich ihrer Ansicht nach bei diesem Phänomen auch um natürliche Effekte handeln.
Deutliche Zahlen der EU
Laut dem Fischerei-Organ der Europäischen Union (STEFC) sind 26 % der Fischbestände im Nordost-Atlantischen Gebiet überfischt. 38 % befinden sich in der Nähe eines kritischen Zustandes. Hier hieß es bereits im Dezember 2023: „Immer mehr Fischbestände werden nachhaltig befischt, doch trotzdem entwickelt sich der gesamte Seefisch ungünstig.“
Die EU-Fischereiminister berufen sich bei der Festlegung von Fangquoten zumeist auf wissenschaftliche Modelle und Gutachten. Diese werden aber nicht immer genau befolgt. Hinzu kommt noch, dass die Fischerei durch den Brexit seit 4 Jahren auch mit den britischen Behörden verhandeln muss, um dort ausfahren zu können. Und nicht immer erfolgt eine Zustimmung von Seiten des Vereinigten Königreichs.
Kabeljau und Hering dürfen EU-europäische Fischer in den britischen Gewässern seit den letzten Verhandlungen Mitte Dezember 2023 nicht mehr fangen. Zudem bekamen die flämischen Fischer von der Union zu hören, dass sie dieses Jahr 60 % weniger Seezunge fischen dürfen, als 2023. Nicht nur im Nordost-Atlantik gehen die Quoten zurück, sondern auch in der Nordsee. Da ist es für die flämischen Fischer nur ein schwacher Trost, dass sie mehr Rochen, Kabeljau und Scholle fangen dürfen.
Fischen nur mithilfe von Zuschüssen?
Genau wie die Landwirte in Belgien zögern die flämischen Fischer (in Belgien gibt es offiziell keine wallonischen oder Brüsseler Fischer, weil diese Regionen nicht an der Nordseeküste liegen) damit, nachhaltiger zu werden, auch wenn De Standaard zu deren Verteidigung schreibt, dass ihre Schiffe inzwischen die Hälfte weniger Treibstoff verbrauchen, als noch vor 15 Jahren. Und, genauso, wie die Landwirtschaft in Belgien, funktionieren die hiesigen Fischer mit Subsidien, die teilweise von der EU kommen.
In Flandern (das belgische Bundesland ist für die Fischerei zuständig) belaufen sich die Zuschüsse für die Fischerei – aus belgischen und aus europäischen Quellen – auf 5 bis 6 Mio. € pro Jahr. Damit wird kein Treibstoff finanziert, wohl aber Investitionen für energiefreundliche und energieeffiziente Antriebsaggregate für die Schiffe, wie es dazu bei der flämischen Landesagentur für Landwirtschaft und Fischerei heißt.
Überfischung durch Zuschüsse?
Im Gegensatz dazu verlautet seit Jahren aus der Wissenschaft, dass gerade die Bezuschussung der Fischer für eine Überfischung in manchen Gewässern sorge. Entsprechende Warnungen erfolgen bereits seit 2019. Und 2021 forderte eine Gruppe von rund 300 Wissenschaftlern in einem Beitrag im tonangebenden Fachblatt Nature ein Ende der Bezuschussung der Fischerei mit den Argumenten, dass dies auf der einen Seite zu ungesunden Überkapazitäten in manchen Beständen führt und andererseits bei bestimmten Fischarten zu Überfischung.
Dazu muss man wissen, so De Standaard, dass weltweit jährlich bis zu 32,7 Mia. € an Zuschüssen für Fischerei fließen und das 20,5 Mia. € daraus als „Kapazitätserhöhend“ angesehen werden. Die Welthandelsorganisation WTO erreichte 2022 ein Abkommen, um diese Art von Subsidien abzubauen. Doch entsprechende Verbote gelte nur für illegale Fischerei und für die Ausbeutung bereits leergefischter Gewässer. Noch im Februar 2024 will die WTO in Abu Dhabi versuchen, einen Schritt weiterzugehen.
