Nach einer Meldung des deutschen Fachblatts Automobilwoche droht dem Audi-Werk im Brüsseler Stadtteil Vorst Ungemach. Die Autofabrik, die in den vergangenen Jahrzehnten schon mehrmals Krisen durchmachen musste, könnte einer Weltweiten Umstrukturierung zum Opfer fallen und in absehbarer Zeit kein neues Modell für die Montage zugewiesen bekommen, so Automobilwoche. Die Meldung sorgt bei den Gewerkschaften einmal mehr für größte Sorgen.
Droht das Aus? Ist das Audi-Werk in Brüssel mittelfristig noch zu halten?
Bei Audi Brussels in Vorst sind derzeit 3.000 festangestellte Mitarbeiter und rund 500 Zeitarbeitskräfte beschäftigt. Im Rahmen einer geplanten weltweiten Umstrukturierung bei Audi bzw. bei der Volkswagengruppe, zu der der Autobauer aus Ingolstadt gehört, könnte das belgische Montagewerk durch das Raster fallen, die die Nachrichtenagentur Reuters in einem Vorbericht zur Veröffentlichung eines entsprechenden Berichts der Automobilwoche. Demnach könnte Audi seine Produktion in Europa drosseln und damit wäre die Brüsseler Fabrik überflüssig.
Bei Audi Brussels sind im vergangenen Jahr 53.555 elektrische Fahrzeuge gebaut worden - in erster Linie Modelle vom Typ Q8 e-tron. Laut Automobilwoche liegen Pläne bei der Volkswagengruppe vor, nach denen dieses Fahrzeug in Zukunft in Mexiko und in China gebaut werde soll.
Da in Brüssel nur ein Fahrzeugtyp produziert wird, ist auf diesen Standort leichter zu verzichten. Die aktuelle Übereinkunft mit Audi zur Montage des Q8 e-tron läuft noch bis 2027. Für die Zeit danach musste ohnehin ein neues Modell gesucht werden, das in Brüssel vom Band laufen soll. In Brüssel hatte man gehofft, dann auf den Audi Q4 umrüsten zu können, doch hier kann das Audi-Werk im ostdeutschen Zwickau die Nachfrage alleine erfüllen…
Beunruhigte Gewerkschaften
Bei Audi Brussels will man auf Gerüchte nicht reagieren, doch schon jetzt sorgen die entsprechenden Meldungen bei den Gewerkschaften für große Sorgen. Ronny Liedts (ACV), christlicher Gewerkschaftler bei Audi in der belgischen Hauptstadt, bemerkt offenbar nicht erst seit gestern, dass dort weniger Fahrzeuge vom Band rollen, wie er gegenüber VRT NWS andeutete.
In den beiden kommenden Wochen wird hier die Produktion unterbrochen, offiziell wegen fehlender Bauteile. Doch Liedts meint, dass sich der Q8 e-tron aktuell nicht gut verkauft: „Wir schauen mit der Direktion, wie wir die Fabrik in den kommenden Jahren einrichten werden. Die Frage ist, was ab 2027 passieren wird. Wir haben dann deutlich zu viel Personal.“
Der Gewerkschaftler befürchtet, dass dies zunächst das Ende der Beschäftigung von 500 Zeitarbeitskräften bedeuten wird. Und auch die Gewerkschaften gehen davon aus, dass wenn es 2027 kein neues Modell geben wird, Audi Brussels keine Zukunft mehr hat.
Nicht die erste Krise dieser Art
Dies ist nicht das erste Mal, dass die Existenz des Automobilwerks in Brüssel-Vorst akut gefährdet ist. In den Jahren 2005-2006 wollte VW die Fabrik schließen, doch Audi sah dort eine Zukunft und jahrelang wurde hier der kompakte Audi A1 gebaut. Seit dem heißt dieser Standort auch Audi Brussels.
In Brüssel wurden unter dem Impuls des Fahrzeugherstellers und -importeurs D’Ieteren seit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Autos für VW gebaut. D’Ieteren ist bis heute offizieller Vertreiber von Fahrzeugen der Volkswagengruppe in Belgien, also auch für Audi.
