Mehrere Supermärkte können bestimmte Produkte nicht mehr nachbestellen, weil Bauern die Vertriebszentren blockieren. Die Landwirte haben es auf diese Zentren abgesehen, weil sie der Meinung sind, dass ihnen nicht genug für ihre Erzeugnisse gezahlt wird. Das sorgt inzwischen in immer mehr Läden für Nachschubprobleme und leere Regale.
Bauern-Blockaden: Supermärkte sehen Auswirkungen auf die Versorgung in den Läden
Bei Delhaize ist das Vertriebszentrum in Ninove seit Dienstagabend blockiert. Das macht es schwierig, die Bestände an Trockenlebensmittel und Getränken bis auf weiteres aufzufüllen. Einige Geschäfte werden davon nicht betroffen sein, andere wiederum schon, je nach den noch vorhandenen Lagerbeständen. Die Blockade des Zentrums in Zellik, in dem frische Produkte verteilt werden, wurde heute Morgen spontan aufgehoben. Trockenlebensmittel
Auch Colruyt ist alarmiert. Dort ist die Auslieferung in Gellingen und Woelingen noch blockiert. Von dort aus werden, Getränke, Konserven und Papierprodukte in ganz Belgien ausgeliefert. Bei diesen Produkten sind die Vorräte der Supermärkte oft größer, aber dennoch "gibt es Auswirkungen" in den Geschäften, räumt Colruyt jetzt ein.
Im Vertriebszentrum in Halle werden ausländische Lieferanten derzeit noch behindert. Seit gestern Abend können dort aber wieder beladene Lkw abfahren. "Es kann also durchaus sein, dass eine ganze Reihe von Geschäften bereits mit frischer Ware beliefert wurde, die aber noch nachgefüllt werden muss", so Colruyt weiter.
Bei Aldi sind vier Vertriebszentren blockiert: in Heusden-Zolder, Turnhout, Gembloux und Vaux-sur-Sûre. In der Regel sind dort keine Lieferungen möglich, und auch die Waren können dort nicht ausgeliefert werden. "In einigen Geschäften können einige Artikel fehlen", sagte Aldi dazu. Genauer konnte die Kette nicht werden.
Dachverband des Handels Comeos fordert Zwangsräumung der Blockaden der Vertriebszentren
Comeos, der Dachverband u.a. der Supermärkte, will, dass die Landwirte ihre Blockaden vor den Vertriebszentren, die die Supermärkte beliefern, in den nächsten Stunden aufheben. Sollte dies nicht geschehen, werde der Dachverband die Räumung der Blockaden gerichtlich durchsetzen, so der Verband heute. Comeos hat bereits die dafür notwendigen rechtlichen Schritte eingeleitet. "Wir geben den Bauern jetzt noch die Chance, spontan zu gehen, ansonsten werden wir versuchen, die Räumung per Vollstreckungsbescheid zu erzwingen", sagte Sprecher Hans Cardyn. "Wir haben keine andere Wahl, denn wir stehen mit dem Rücken zur Wand".
"Wir haben volles Verständnis für die schwierige Situation der Landwirtschaft, aber die meisten Probleme der Bauern liegen auf europäischer Ebene", sagt Geschäftsführer Dominique Michel. "Wir sind bereit, uns mit ihnen zusammenzusetzen, um zu sehen, was wir gemeinsam mit der Regierung und der Lebensmittelindustrie auf belgischer Ebene lösen können. Diese Woche wurde von Politikern eine Initiative für eine Task Force angekündigt, die gemeinsam nach Lösungen suchen soll, und wir werden uns selbstverständlich daran beteiligen."
Die Situation wird jedoch problematisch, wenn die Vertriebszentren blockiert bleiben. Sie sind ein besonders wichtiges Glied in der Lebensmittelversorgung. Jedes Vertriebszentrum versorgt Hunderte von Geschäften. Mehrere Zentren sind bereits seit Anfang der Woche blockiert, und es ist keine Besserung in Sicht.
"Unsere wichtige Aufgabe, die Kunden zu beliefern, ist nun gefährdet. Deshalb müssen die Blockaden aufgehoben werden. In der Zwischenzeit sind die Supermärkte vor Gericht gezogen und wir haben Räumungsklagen erwirkt. Wenn sich in den nächsten Stunden keine Besserung einstellt, werden die Supermärkte von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Wir hoffen, dass es nicht so weit kommen muss und dass nach dieser langen Woche die Blockaden überall verschwinden", sagte Michel.
