Premier Alexander De Croo (Open VLD, Foto) traf sich am Mittwoch mit Vertretern der Landwirtschaft und der protestierenden Bauern. Diese wollen, dass der Premier ihre Sorgen auf die Tagesordnung beim EU-Gipfel in Brüssel am Donnerstag setzt. „Ich habe ihnen zugehört“, so De Croo in der VRT-Politsendung „Terzake“ („Zur Sache“): „Ich verstehe, dass der Sektor Resultate sehen will. Ich werde in den kommenden Tagen zeigen, dass wir unseren Stempel aufdrücken können.“
Premierminister De Croo reagiert auf die Proteste der Landwirte in Belgien
„Einige Dinge werde ich mit Ursula von der Leyen besprechen, der Vorsitzenden der EU-Kommission. Eines davon ist zum Beispiel die Verpflichtung für Landwirte, 4 % ihrer Flächen brachliegen zu lassen. Das hat einen direkten Einfluss auf sie. Das sind 4 % die keine Erträge bringen. Wir müssen wirklich schauen, ob das die richtige Maßnahme ist“, so De Croo in „Terzake“.
„Die Sorgen der Bauern sind legitim“, so der Premier weiter: „Es gibt aus der Gesellschaft heraus viel Sympathie für sie, doch sie müssen aufpassen, dass sie diese Unterstützung nicht verlieren, weil ihre Aktionen zu weit gehen. Sie dürfen die Menschen nicht daran hindern, arbeiten oder zur Schule zu gehen.“
Die Landwirte in Belgien protestieren landesweit u.a. wegen ihrer niedrigen Erträge, die sie mit ihren Erzeugnissen erwirtschaften und vor allem wegen den strengen Regeln durch die Europäischen Union, mit denen sie zu kämpfen haben. Überdies wollen sie, dass sich die Verwaltungsarbeit für die Landwirtschaft vereinfacht, denn dies kostet die Bauern viel Mühe und Arbeit.
Probleme durch die Proteste
Mehrere Sektoren haben Probleme durch die Proteste der Landwirte. Gleich mehrere Schulen bleiben am Mittwoch geschlossen (hier wird Distanzunterricht angeboten) und auch ein Krankenhaus in Aalter ist durch die Blockaden kaum zu erreichen. Handel und Wirtschaft befürchten Probleme durch die Blockaden z.B. bei der Auslieferung von Produkten oder bei der Anlieferung von Rohstoffen und Bauteilen.
Die Landwirte protestieren auch vor Vertriebszentren der Warenhauskette Delhaize, z.B. in Ninove und von Colruyt in Ghislengien (Hennegau), wo sie LKW der Kette an der Zu- und Ausfahrt hinderten. Lastwagen von anderen Unternehmen ließ man dort jedoch ungehindert durch.
In der Wallonie wurde in der Nacht zum Mittwoch an mehreren Stellen auf Autobahnen gearbeitet, um die Schäden zu beseitigen, die die Landwirte mit Feuern an den Fahrbahnen verursacht hatten. Die wallonische Straßenverwaltung Sofico prüft Schadensersatzklagen gegen den wallonischen Bauernverband FJA.
