Auch an diesem Montagmorgen protestieren die Bauern in Belgien gegen die strengen europäischen Umweltauflagen und ihre sinkenden Einkommen. Vor allem rund um Halle (Provinz Flämisch-Brabant) ist der Verkehr Richtung Brüssel gestört. Die E42 ist seit Sonntagnachmittag komplett blockiert. Seit Sonntagabend ist auch auf dem Brüsseler Autobahnring bei Halle in Flämisch-Brabant eine Blockade errichtet. In der weiten Umgebung von Halle staut sich der Verkehr auf Nebenstraßen, da die Traktoren aus verschiedenen Richtungen kommen.
Bauern protestieren am Montagmorgen im Berufsverkehr: Probleme vor allem im Süden von Brüssel
Mehrere hundert Traktoren mit wallonischen Landwirten sind bereits am Sonntagmorgen aufgebrochen, um den wallonischen, föderalen und europäischen Politikern klarzumachen, dass die strengen europäischen Umweltauflagen ihren Beruf zugrunde richten. Die Produktionskosten steigen, während die Verkaufspreise sinken. Viele Landwirte haben das Gefühl, dass ihre Arbeit nicht mehr rentabel ist.
Proteste auch in Sint-Truiden und Turnhout
Flämische Landwirte protestierten am Sonntagnachmittag auch in Sint-Truiden am und im Fußballstadion, wo ein Limburger Derby stattfand. In Turnhout (Provinz Antwerpen) fuhren mindestens 80 Traktoren von Bauern der radikalen Aktionsgruppe FDF (Farmers Defence Force) auf den Grote Markt in Turnhout, um symbolisch einen Galgen in Brand zu setzen.
Der Protest richtete sich in erster Linie gegen das Stickstoffabkommen, das diese Woche im flämischen Parlament verabschiedet wurde. Nach Angaben der Organisatoren aber auch als allgemeiner Ausdruck der Unzufriedenheit mit der Lage der Landwirte in Belgien und in Europa.
Einige der Landwirte zogen nach der Aktion in ein nahegelegenes Industriegebiet, um ein Vertriebszentrum der Kaufhauskette Aldi zu blockieren.
Wallonischer Landwirtschaftsminister will Task Force
Der wallonische Landwirtschaftsminister Willy Borsus (Liberale, MR) will sich in dieser Woche mit seinen föderalen und flämischen Kollegen David Clarinval (MR) und Jo Brouns (Christdemokraten, CD&V) zusammensetzen, um über den Verwaltungsaufwand zu sprechen, der die Landwirte belastet.
Er möchte auch, dass die Agrarkrise und insbesondere das Verwaltungsproblem auf die Tagesordnung des nächsten Agrarministerrates gesetzt wird. Die Landwirte beklagen sich unter anderem über die zunehmende Belastung durch verschiedene Vorschriften.
Der wallonische Bauernverband reagiert zufrieden mit den "ersten Annäherungsversuchen". Die Organisation hofft, dass die Task Force konkrete Fortschritte erzielen wird. Sie unterstreicht weitere Forderungen, darunter ein Verbot der Einfuhr von Produkten, die nicht den europäischen Normen entsprechen. Wichtig sei auch die Arbeit am Generationswechsel in der Landwirtschaft.
