2023 sind zum ersten Mal seit fast zehn Jahren deutlich weniger Menschen gestorben als erwartet. Das belgische Gesundheitsamt Sciensano hat dafür mehrere Erklärungen: keine extremen Temperaturen, gute Luftqualität und kein größeres Aufflackern von Grippe oder Corona. Die Virusepidemie hatte in den Vorjahren zu einem vorzeitigen Tod vieler älterer und schwächerer Menschen geführt.
Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren starben weit weniger Menschen als erwartet
In den Coronajahren wurde der demografische Begriff „Übersterblichkeit“ bekannt, wenn mehr Menschen sterben als erwartet. Doch im vergangenen Jahr hat sich das Blatt eindeutig gewendet.
Die Zahlen von Sciensano und vom belgischen Statistikamt Statbel zeigen, dass 2023 erstmals seit fast einem Jahrzehnt das Gegenteil zu beobachten war: eine Untersterblichkeit.
Ein Blick in die Statistik zeigt, dass in Belgien im vergangenen Jahr 110.334 Menschen starben, während das statistische Modell 113.106 erwartete. Das bedeutet eine Untersterblichkeit von -2,5 Prozent, das sind 2.772 Todesfälle weniger als vorhergesagt.
"Wir sehen diese Untersterblichkeit in den meisten Altersgruppen", erklärt der Epidemiologe Toon Braeye die Zahlen. Sie ist jedoch bei den 65- bis 84-Jährigen (-3,0 Prozent) und bei den Männern im Allgemeinen (-3,0 Prozent gegenüber -1,5 Prozent bei den Frauen aller Altersgruppen) stärker ausgeprägt.
Verschiedene Erklärungen
Woran liegt es also, dass im vergangenen Jahr weniger Menschen gestorben sind? Hierfür hat Sciensano verschiedene Erklärungen parat.
Im Gegensatz zu den Vorjahren waren die Faktoren, die das Sterberisiko erhöhen (extreme Tagestemperaturen, Luftverschmutzung, Infektionskrankheiten), im 2023 viel weniger anwesend. Im vergangenen Jahr gab es beispielsweise keine schwere Grippesaison, und auch große, tödliche Coronawellen blieben aus.
Corona führte in den Vorjahren zum Tod vieler älterer und gesundheitlich schwacher Menschen. Auch dies hat zweifellos zu der geringeren Sterblichkeit im letzten Jahr beigetragen.
Insbesondere im ersten Coronajahr, 2020, war die Übersterblichkeit sehr hoch. Die beiden großen Corona-Epidemien und eine Hitzewelle rafften in diesem Jahr über 18 000 Menschen mehr dahin als erwartet.
