Noch nie zuvor saßen in Belgien so viele Menschen im Gefängnis. Nach einer Meldung der frankophonen Tageszeitung La Libre Belgique verbüßen aktuell fast 12.000 Personen eine Haftstrafe in einem der Haftanstalten in unserem Land. Doch für diese Zahl an Insassen sind die hiesigen Gefängnisse nicht ausgelegt und deshalb streiken die Gefängniswärter ab Donnerstagabend, 22 Uhr, für die Dauer von 24 Stunden.
Überbelegung in den Zellen: 24-Stundenstreik in den belgischen Haftanstalten
Das Personal in den belgischen Gefängnissen will mit dieser 24-stündigen Arbeitsniederlegung auf das Problem der überfüllten Gefängnisse und Zellen einmal mehr aufmerksam machen. Hier herrscht ein enormer Arbeitsdruck, so die Gewerkschaften des Gefängnispersonals.
Eddy De Smedt von der Polizei- und Häftlingswesen-Gewerkschaft VSOA sagte, dass man jetzt im Januar habe streiken müssen: „In diesem Monat müssen wir den 12.000sten Häftling beherbergen. Die Überbevölkerung lässt die Gefängnisse aus ihren Fugen bersten und das bedeutet auch unmenschliche Haftbedingungen für unsere Gefangenen.
Hinzu kommt noch, dass die steigende Anzahl der Häftlinge in den zu klein bemessenen Gefängnissen auch zu mehr Aggressivität gegenüber den Wärtern und dem anderen Personal kommt, was wiederum die Sicherheit in Gefahr bringt.
In verschiedenen Haftanstalten stimmen sogar die Gefängnisdirektoren den Streiks zu - wie z.B. Hans Claus vom Gefängnis in Oudenaarde in Ostflandern, denn die Probleme sind überall: „Die Streiks zeigen, dass wir seit 30 Jahren, mit Justizminister nach Justizminister immer an der Obergrenze der Probleme geblieben sind.“ 12.000 Häftlinge in den belgischen Gefängnissen sind nach der vorhandenen Kapazität knapp 1.300 Gefangene zu viel.
