Der deutsche Botschafter in Belgien, Martin Kotthaus (Foto), widerspricht ausdrücklich dem Vorwurf von Belgiens Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit, Caroline Gennez (Vooruit), die seinem Land in einem Interview vorwirft, sich vor den Karren Israels spannen zu lassen. Kotthaus hält Vergleiche mit der Shoah in Zusammenhang mit dem Gaza-Konflikt und der Untersuchung des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag zur Frage, ob sich Israel in Gaza des Genozids schuldig macht, für unangebracht.
Gaza-Konflikt: Botschafter Kotthaus verurteilt die Deutschland-Kritik von Ministerin Gennez entschieden
Ministerin Gennez hatte gegenüber dem flämischen Wochenmagazin Knack unter anderem die Frage gestellt, ob sich Deutschland zum zweiten Mal auf die falsche Seite der Geschichte stelle.
Der deutsche Botschafter in Belgien Kotthaus reagierte auf dem Kurznachrichtendienst X auf das Knack-Interview mit der belgischen Entwicklungshilfeministerin mit scharfer Kritik: „Deutschland hat natürlich eine besondere Verantwortung für die Sicherheit von Israel, schon wegen der Shoah. Vergleiche mit der Shoah und dem, was gerade geschieht, passen nicht.“
Weiter sagt Kotthaus via X, dass Deutschland für eine Zweistaatenlösung sei und dass die humanitäre Hilfe für Gaza in den vergangenen Monaten verdreifacht worden sei: „Israel hat das Recht, sich gegen den Terror der Hamas zu verteidigen. Gleichzeitig muss Israel alles dafür tun, die Zivilbevölkerung zu beschützen.“
Was sagte Caroline Gennez gegenüber Knack?
Gennez (Vooruit, flämische Sozialisten, Foto unten) warnte in dem Interview in der Wochenzeitung Knack vor ethnischen Säuberungen in Gaza. Sie kritisiert vor allem die deutsche Haltung innerhalb der EU zum israelisch-palästinensischen Konflikt. Deutschland duldet kaum Kritik an Israel. „Ich habe Deutschland immer für seine Fähigkeit bewundert, seiner eigenen Kriegsvergangenheit ins Auge zu sehen. Damit war es ein Teil der Grundlage des europäischen Projekts. Es ist dann schwer zu verstehen, warum sich dasselbe Deutschland von dieser israelischen Regierung, die eine schamlose Kolonisierungspolitik betreibt, so vereinnahmen lässt.“
Für die Deutschen stelle sich eine entscheidende Frage, so Gennez: „Deutsche Freunde, wollt ihr wirklich zweimal auf der falschen Seite der Geschichte stehen? Wollen wir weiterhin zusehen, wenn es zu ethnischen Säuberungen kommt? Das war doch 'nie wieder'? Ich hoffe also, dass die Deutschen tief in ihr eigenes Herz schauen wollen, unbelastet von ihren eigenen historischen Traumata.“
Am Mittwochabend wiederholte Gennez Teile ihrer Kritik in der VRT-Polittalksendung „De afsprak“ („Die Verabredung“). Dort sagte sie unter anderem: „In Deutschland ist keine gesunde Faktendebatte über die Situation in Israel und Palästina möglich.“
