Der britische Chemiekonzern Ineos darf seinen neuen Ethancracker unter bestimmten Auflagen der flämischen Umweltbehörden im Hafen von Antwerpen bauen. Landesumweltministerin Zuhal Demir (N-VA) erteilte dem Konzern eine Umweltgenehmigung für Bau und Betrieb der umstrittenen Anlage. Sie beruft sich dabei auf verschiedene Gutachten.
Baugenehmigung unter Auflagen für den Ineos-Ethancracker im Hafen von Antwerpen
Flanderns Umweltministerin Demir erteilt diese Baugenehmigung für das sogenannte „Project One“ unter strengen Auflagen. Die Anlage muss nach ihrer Inbetriebnahme innerhalb 10 Jahren vollständig klimaneutral sein. Und es sollen strikte Normen für den Schadstoffausstoß und für Abwässer gelten.
Ineos hatte im Oktober 2023 erneut einen Bauantrag für den Ethancracker eingereicht, nachdem vorherige Anträge auch und gerade nach gerichtlichen Einsprüchen von Umweltschutzbewegungen aus Flandern und aus den benachbarten Niederlanden abgelehnt wurden. Es wurde seinerzeit angeführt, dass nicht ausreichend aufgezeigt werden konnte, wie groß die Folgen des Schad- und Stickstoffausstoßes des Ethancrackers auf die Umwelt im Allgemeinen und auf den „Brabantse Wal“ sind, ein Naturschutzgebiet in den Niederlanden in unmittelbarer Nähe der Grenze zu Belgien.
Ich bin froh darüber, dass diese Investition im Antwerpener Hafen weitergehen kann, denn es geht hier nicht nur um Ineos. Das betrifft den gesamten Chemie-Cluster im Hafen, dem zweitgrößten Cluster seiner Art weltweit. Diese Investierung sorgt für einen enormen Mehrwert und für Arbeit im Hafen. Alle Investitionen hier müssen alles daransetzen, um klimaneutral zu werden. Wenn das in Flandern nicht mehr möglich sein kann, dann haben wir ein gigantisch großes Problem. Also bin ich zufrieden damit, dass Ineos die Genehmigung bekommen hat und dass die Arbeiten weitergehen können.“
Flanderns Ministerpräsident Jan Jambon
Ineos hatte dem neuen Bauantrag eine rund 800 Seiten starke Umweltverträglichkeitsstudie beigefügt und gehofft, damit die Kritiker des Projekts umzustimmen. Das Projekt wird von der flämischen Landesregierung unterstützt und gefördert, denn hier erhofft man sich riesige Investitionen und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Ineos will zwischen 3 und 4 Mia. € in das Antwerpener Projekt investieren.
„Project One“ im Hafen von Antwerpen besteht aus dem Bau einer Propan-Dehydrierungsanlage (PDH) und einen Ethancracker. Diese werden benötigt, um Propan beziehungsweise Ethan in Propylen und Ethylen umzuwandeln. Das sind Rohstoffe für chemische Produkte, die in einer Vielzahl von Branchen wie Automobil, Bau, Bekleidung, Kosmetik und Körperpflege, Pharmazie, Elektronik und Verpackung eingesetzt werden.
Zustimmung und Kritik
Die Konzernspitze von Ineos in London zeigte sich zufrieden mit der Baugenehmigung auch unter den hier genannten Auflagen. Die flämischen Grünen (Groen) und Umweltschutzverbände sind entsetzt und kritisieren die Entwicklung des Vorgangs. Bei den Grünen ist die Rede von einem Beschluss der flämischen Landesregierung, der auf Maß des Ineos-Konzern erfolgte. Das Projekt sei alles andere als eine klimaneutrale Angelegenheit, so die grüne Landtagsabgeordnete Mieke Schauvliege.
