Seit Ende 2022 sind die durchschnittlichen Hauspreise in Flandern um 1,9 Prozent gesunken. Das geht aus einer jährlichen, vergleichenden Studie der Universität Antwerpen und des Immobilienmaklers ERA hervor. Der letzte Rückgang liegt bereits 10 Jahre zurück. Unter anderem spielen höhere Zinsen und die flämische Renovierungspflicht eine wichtige Rolle.
Wohnungsmarkt in Flandern kühlt 2023 stark ab: Preise sinken zum ersten Mal seit 10 Jahren
Seit dem letzten Quartal 2022 ist der durchschnittliche Preis für ein Wohnhaus in Flandern um 1,9 Prozent gesunken, wie das jährliche ERA-Barometer zeigt. Dabei wird ein Preisindex verwendet, der unter anderem die Größe, Ausstattung und Lage der verkauften Häuser berücksichtigt. Dadurch spiegeln die Zahlen die Preisentwicklung ähnlicher Häuser wider und ermöglichen einen besseren Vergleich. Zum ersten Mal seit 2014 sind die Hauspreise in Flandern rückläufig.
Auffällig ist auch, dass die Preise für Appartements wohl noch steigen: um 3,1 Prozent, wenn man 2023 mit 2022 vergleicht, und um 1,5 Prozent, wenn man die Preisentwicklung seit Ende 2022 betrachtet.
Die Abkühlung des flämischen Wohnungsmarktes zeigt sich übrigens auch an der Anzahl der Tage, die ein Haus im Durchschnitt zum Verkauf steht: Waren es 2022 noch 85 Tage, so waren es im abgelaufenen Jahr 103 Tage (+21 Prozent) für eine ähnliche Immobilie.
Höhere Zinsen und Renovierungsverpflichtung
Nach Ansicht des Professors für Immobilienökonomie Sven Damen (UAntwerpen) ist einer der Gründe für diese Abkühlung die höheren Zinsen, die junge Käufer bei der Aufnahme eines Hauskredits zahlen müssen. "Die Hypothekenzinsen sind seit Anfang 2022 um mehr als 2 Prozentpunkte gestiegen. Die steigenden Zinsen haben die Kreditaufnahmekapazität von Erstkäufern stark eingeschränkt. In Verbindung mit der flämischen Renovierungsverpflichtung übt dies nun auch Druck auf die Preise aus."
Dass die Renovierungsverpflichtung eine Rolle bei den Hauspreisen spielt, zeigt sich zum Beispiel an der Preisentwicklung in Wallonien, wo es keine solche Verpflichtung gibt. Dort kostete ein Haus im Jahr 2023 durchschnittlich 2,4 Prozent mehr als 2022. Hauskäufer müssen dort kurzfristig weniger Renovierungskosten einkalkulieren, was ihnen mehr Spielraum bei ihren Kaufangeboten für ein Haus gibt.
Leuven (Löwen) teuerste Stadt des Landes
Leuven bleibt die teuerste Stadt Flanderns. Mehr noch: Die Schere öffnet sich immer weiter. Ein Haus in der Universitätsstadt Leuven ist bereits 10 Prozent teurer als ein vergleichbares Haus in Antwerpen. Gent nähert sich schrittweise an Antwerpen an: Häuser sind dort nur noch 1 Prozent billiger. Letztes Jahr betrug der Unterschied noch 2 Prozent.
Die günstigsten Städte sind Genk und Roeselare: Häuser sind dort im Allgemeinen 36 Prozent billiger als in Antwerpen.
