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Das flämische Meeresinstitut baut eine Bibliothek mit Unterwassergeräuschen auf

Die flämische Landesregierung stattet das Meeresinstitut VLIZ mit Sitz in Ostende mit einem Zuschuss von einer halben Million Euro aus, um eine „intelligente“ Bibliothek mit Unterwassergeräuschen anzulegen. Dabei handelt es sich z.B. um Laute, die Fische von sich geben, von vorbeifahrenden Schiffen oder von sich bewegenden Sandbänken. Solche Geräusche können dazu beitragen, die hiesige Nordseeküste besser zu schützen. Und nicht zuletzt spielt auch eine bessere Absicherung der kritischen Infrastruktur auf der Nordsee eine gewichtige Rolle.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Ziel dieser Bibliothek mit Unterwassergeräuschen ist, ein System zu entwickeln, das Unterwassergeräusche erkennen und filtern kann, um bei der maritimen Forschung mit Daten zu dienen und nicht zuletzt auch, um damit die Nordseeküste in Flandern und die dortige kritische Infrastruktur (Energieversorgung, Kommunikation) besser zu sichern und zu schützen.

Schon länger nutzt das flämische Meeresinstitut Unterwassergeräusche bei seinen Forschungsarbeiten. Über ein aktives Messsystem an verschiedenen Stellen in der küstennahen Nordsee können die Forscher nachgehen, wie dicht einige Gebiete von Schiffen befahren werden. Dieses Geräuschmesssystem kann aber auch dazu beitragen, eine bessere Sicht auf die Biodiversität unter Wasser zu bekommen und zu sehen, wie viele Fische und andere Meerestiere dort leben.

In dem dieser Geräuschbibliothek mehr Fragmente hinzugefügt werden und in dem diese auch und gerade mit künstlicher Intelligenz (KI) analysiert werden können, werden die Möglichkeiten für die Forschung größer. Genau dazu soll der neue Zuschuss von 500.000 € aus der flämischen Landeskasse dienen.

Hoher Druck auf und in der Nordsee

Die meisten Unterwassergeräusche sind an sich auch für menschliche Ohren hörbar, doch inzwischen ist der Druck auf und in der Nordsee so groß, dass es schwieriger wird, diese unterscheiden zu können. Das hat mit der Schifffahrt auf der Nordsee ebenso zu tun, wie mit der Tatsache, dass die See hier nicht besonders tief ist und dass sie Töne und Geräusche durch eben diese Umstände auf besonders komplizierte Weise reflektiert.  

„Einige Geräuschquellen, wie ein vorbeifahrendes Schiff, sind sehr übertönend“, so die VLIZ-Wissenschaftlerin Elisabeth Debusschere, sodass man kaum noch etwas anderes hört. Computermodelle können das wohl hören. In dem wir diese mit KI ausrüsten, können diese Modelle darin besser werden. Doch dann müssen wir sie mit so viel Information wie möglich füttern, was denn auch das Ziel unserer Unterwassergeräusch-Bibliothek ist.“ 

Die Nordsee zielgerichtet abhören

Vielleicht sind Geräusche unter Wasser sogar wichtiger, als Geräusche an Land. Das liegt unter anderem daran, dass Töne im Wasser bis zu viermal besser gleiten, als an der Luft, aber auch daran, dass die Sicht unter Wasser eher eingeschränkt ist. Und gerade dadurch sind Meerestiere auf Geräusche zu ihrer Orientierung angewiesen. Geräusche, die die Menschen erzeugen, wie z.B. Industrie und die Schifffahrt, sind für diese Tiere also Störsender.

Die maritime Geräuschbibliothek soll ermöglichen, die Geräuschquellen in der Nordsee bzw. vor der belgischen Nordseeküste kartografisch aufzeichnen zu können. Damit sollen diese zwischen den menschlich erzeugten Tönen und den natürlichen Geräuschen unterschieden werden können, damit letztendlich erforscht werden kann, in wie fern diese das Leben unter Wasser beeinflussen.

Auch auf Ebene der Sicherheit an der Nordseeküste bietet eine ausgefeilte maritime Geräuschbibliothek interessante Möglichkeiten. Das hat unter anderem mit der zunehmenden Zahl an Offshore-Windkraftanlagen bzw. der Windräder und ihren Leitungen auf dem Meeresboden zu tun. „Das Militär kann über dieses System eventuelle U-Boote aufspüren“, so Forscherin Debusschere, „aber auch kleinere Boote, die sich in die Nähe der Leitungen aufhalten.“ 

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