Traditionell wendet sich der König am Vorabend des Weihnachtsfestes an die Belgierinnen und Belgier. In seiner diesjährigen Ansprache ging das Staatsoberhaupt auf die bewaffneten Konflikte ein, von denen die Menschen in vielen Teilen der Welt betroffen sind, aber auch über verbale Gewalt im Internet, häusliche und sexuelle Gewalt. Er forderte seine Landsleute auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und mit Menschen jeden Glaubens und Ursprungs zusammenzuarbeiten, um eine bessere Zukunft zu schaffen. Der König lobte Initiativen von Menschen ausländischer Herkunft und erklärte, dass diese oft nicht die Anerkennung erhielten, die sie verdienten. König Filip sprach auch von der Kraft der Hoffnung, dem Geist der Zusammenarbeit bei der Verfolgung eines gemeinsamen Interesses: einer nachhaltigen Welt.
(VIDEO) König Filip sieht Belgien als gutes Vorbild in einer Welt, in der Gewalt und Konflikte zunehmen
Meine Damen und Herren!
auch in diesem Jahr durchleben wir dunkle Zeiten. Die Weltbühne wird von bewaffneten Konflikten und Kriegen beherrscht - in der Ukraine, im Kongo, im Sudan … In den letzten Monaten haben wir schreckliche Gewalt im Nahen Osten erlebt. Gewalt, die uns bis ins Innerste unserer Menschlichkeit berührt hat.
Unsere Gedanken sind bei den vielen Opfern von Terrorismus und unerträglichen Kriegshandlungen. Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, damit die Völker in der ganzen Welt wieder in Frieden leben können.
Lassen Sie uns in Belgien das Beispiel einer Gesellschaft zeigen, in der Menschen jeden Ursprungs und Glaubens zusammenarbeiten, um eine gemeinsame Zukunft aufzubauen: das Beispiel eines Landes, in dem Interkulturalität in vollem Umfang gelebt wird.
Die Königin und ich besuchen regelmäßig wunderschöne Initiativen, die spontan von Landsleuten mit Migrationshintergrund gegründet wurden. Ihr Engagement für ein besseres Zusammenleben verdient mehr Anerkennung.
Leider gibt es in unserer Gesellschaft immer noch Gewalt als Folge von Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus. Ich denke auch an verbale Gewalt, die oft anonym im Internet stattfindet, an Gewalt innerhalb der Familie, an sexuelle Gewalt, die in allen Kreisen vorkommt. Gewalt erzeugt Angst, und diese schürt ein Gefühl der Unterdrückung und Ohnmacht angesichts einer ungewissen Zukunft - aufgrund der geopolitischen Entwicklungen in der Welt, der Fragilität unserer Demokratien und des Ausmaßes der klimatischen Herausforderungen - auch wenn die Schlussfolgerungen der COP28-Klimakonferenz hoffnungsvoll sind.
Wir müssen es wagen, uns dieser Realität zu stellen. Aber angesichts dieser Angst und Besorgnis, die uns entmutigen und lähmen können - und letztlich angesichts der Gewalt selbst - können wir eine Kraft geltend machen, eine Kraft des Lebens selbst: die Kraft der Hoffnung.
Es handelt sich dabei keineswegs um einen naiven, passiven Optimismus. Im Gegenteil: Hoffnung ist eine Energie, die tief in uns steckt und die durch den Kontakt mit denjenigen genährt wird, die sich konkret dafür einsetzen, die Welt zu verbessern.
Und wenn wir uns einmischen und engagieren, wächst diese Hoffnung noch mehr. Die Kraft der Hoffnung gibt uns Zuversicht und führt uns auf einen Weg, der von denen erhellt wird, die an die Kraft der Demokratie glauben, an die konstruktive Kraft der Nuance, des Zuhörens, des Dialogs, des Respekts vor dem Anderen, an diejenigen, die sich für Gerechtigkeit und sozialen Frieden einsetzen, an diejenigen, die die Not in ihrer Umgebung lindern, und schließlich an diejenigen, die mit uns die Früchte der Wissenschaft teilen und technologische Lösungen anbieten, insbesondere um die Energiewende zu ermöglichen.
Die Kraft der Hoffnung, die auch unsere Kinder und Enkelkinder einschließt, denn jede Generation bringt neue Erkenntnisse mit sich, mit denen wir eine bessere Zukunft aufbauen können.
Meine Damen und Herren, DAS wird unsere Antwort auf das sein, was in der Welt schiefläuft: ein Geist der Zusammenarbeit und nicht der Spaltung, um das gemeinsame Interesse zu verfolgen: eine nachhaltige Welt, aber auch eine warme Gesellschaft. Denn die beiden gehen Hand in Hand.
Jeder von uns kann sich nach besten Kräften an dieser Spirale beteiligen, die die Menschen zusammenbringt und es uns so ermöglicht, der Zukunft nüchtern und ohne Angst entgegenzusehen.
Die Königin, unsere Kinder und unsere gesamte Familie wünschen Ihnen allen ein wunderschönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr.


