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Warum sind öffentliche Toiletten für eine Stadt wie Brüssel so wichtig?

Umfragen und Untersuchungen ergeben, dass die Leute den Geruch von öffentlichen Toiletten für den abstoßendsten Gestank in einer Stadt halten. Und doch sind solche Toiletten und auch die famosen „Urinoirs“ wichtig. Dies ist nicht nur der Fall, wenn man wildpinkeln verhindern will, sondern auch im Rahmen einer „inklusiven Straßenpolitik.“ Die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ hat sich mit diesem Thema in ihrer Reihe „Big City“ einmal näher befasst.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

In der belgischen Hauptstadt Brüssel gibt es „Urinoirs“ und öffentliche Toiletten bereits seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts. Und doch dauerte es bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, bis alle Häuser und Gebäude in der Stadt mit WC’s ausgestattet bzw. an das Kanal- und Abwassersystem angeschlossen waren. Davor verrichteten die Brüsseler ihre Notdurft in Töpfen, die sie danach z.B. im Stadtfluss Zenne auskippten…

Doch als auch in Brüssel das Thema Hygiene immer wichtiger wurde, suchte man auch nach Möglichkeiten, um den Gang zur Toilette sauberer verlaufen zu lassen. Im Zuge dessen kamen die öffentlichen Toiletten ans Tageslicht.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Die ersten öffentlichen Klos waren hölzerne Ecken oder „Urinoirs“ in Seitenstraßen oder in Sackgassen. Innovativ waren damals solche „Urinoirs“ im unteren, sprich im „dicken“ Teil von Straßenlaternen (siehe historisches Foto oben).

Heute gibt es solche öffentlichen Toiletten in Brüssel nicht mehr, doch es gibt heute andere und modernere Modelle. Das ist auch gut so, denn dies sorgt dafür, dass man immer kostenlos eine Toilette aufsuchen kann. Trotzdem geschieht es noch viel zu oft, dass Männer irgendwo in einer Ecke pinkeln und dass Frauen in Cafés oder Restaurants nach einem WC fragen müssen.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Öffentliches Pissoir an der Katharinenkirche am Sint-Katelijneplein

Aber, öffentliche Toiletten sind das eine. Gendergerechtigkeit beim Gang zur Toilette ist das andere. Einfach mal irgendwo zum Klo gehen, scheint eine ganz normale Sache zu sein, ist es aber nicht. Auch nicht in einer (teilweise) modernen Metropole wie Brüssel. Das betrifft nicht nur Obdachlose, die trotzdem ein Recht auf Hygiene haben und die auch geschützt ihre Notdurft verrichten sollen.

Aber die größte Toiletten-Ungerechtigkeit ist, wie BRUZZ trefflich bemerkt, die Ungleichheit in dieser Frage zwischen Frauen und Männern. Für Frauen ist es ebenfalls nicht wirklich evident, mal eben zum Klo zu gehen, weil sie schlicht und einfach nicht „stehend pinkeln“ können und können müssen. Öffentliche „Urinoirs“ sind den Frauen nicht dienlich und sie sind auch keine geschlossenen Räume. Und öffentliche Toiletten für Frauen mit geschlossenen Räumen sind auch in Brüssel nicht zwingend sauber…

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Moderne WC-Box unweit des Brüsseler Zentral-Bahnhofs

Die Stadt Brüssel ist sich dieser Ungleichheit bewusst, so BRUZZ. Inzwischen sind in den meisten Ortsteilen einige geschlossene Toiletten hinzugekommen, doch eine Vorgehensweise, wie diese ständig sauber gehalten werden sollen, steht noch aus.

Eine andere Möglichkeit sind die gastfreundlichen bzw. gastfreien Toiletten, die Betreiber von Gastronomiebetrieben kostenlos zur Verfügung stellen. Diese sind willkommen aber noch keine Selbstverständlichkeit, auf die sich die Leute überall in Brüssel verlassen können. Alle hier genannten Möglichkeiten sind im kommunalen Brüsseler Toilettenplan vorgesehen, denn die Stadt will für dieses Basisbedürfnis überall sorgen.

BRUZZ zieht folgendes Fazit: „Man müsste also anhand der Menge und am Zustand von öffentlichen Toiletten erkennen können, wie inklusiv die Straßenpolitik der Stadt (Brüssel (Red.)) genau ist. Denn jeder oder jede hat ein Recht darauf, seinem oder ihrem Bedürfnis einfach nachgehen zu können.“    

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