Der frankophone belgische Rundfunk RTBF hat am Donnerstag Bilder einer Überwachungskamera gezeigt, die sehen lassen, wie ein Beamter der Polizeizone Brüssel-Süd an einem Tag gleich zweimal brutal gegen festgenommene Personen vorgeht. Die Vorfälle geschahen bereits im Jahr 2020, wurden jedoch jetzt erst bekannt. Die Bürgermeister der Gemeinden der Polizeizone Brüssel-Süd fordern eine erneute Untersuchung der Vorgänge.
In einem gemeinsamen Schreiben der Bürgermeister von Anderlecht, Vorst und Sint-Gillis heißt es: „Für einen solchen Beamten ist in unserem Korps kein Platz.“ Die Bürgermeister haben auch festgestellt, dass die Bürger beunruhigt sind, weil ein brutaler und übergriffiger Polizist in ihren Gemeinden Dienst hat. Sie fordern eine erneute Untersuchung der Vorgänge.
Auf den Bildern ist zu sehen, wie ein Polizist der Wache in der Demostenesstraat in Anderlecht zuerst einem jungen Mann, der gerade festgenommen wurde, mehrmals Schläge versetzt, ihn dann in eine Zelle drängt, um ihn dort zu würgen. Kollegen müssen eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern. Am gleichen Tag versetzt der gleiche Polizist einem Mann, der in Handschellen auf einem Stuhl sitzt, Faustschläge ins Gesicht. Hier schauen Kollegen nur zu und greifen nicht ein.
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Diese Bilder nahm eine Überwachungskamera in der Wache am 31. Mai 2020 auf. Nach einer polizeiinternen Untersuchung und einem Disziplinarverfahren wurde der Polizist im September 2020 degradiert und musste Gehaltsverluste hinnehmen. Der Fall kam am 31. Oktober vor Gericht und im Januar 2023 wurde der Polizist schuldig gesprochen aber nicht bestraft, denn er habe Schuldeinsicht gezeigt und habe zum Zeitpunkt der Vorfälle mit psychischen und nervlichen Problemen zu kämpfen gehabt.
Die Bürgermeister aus der Polizeizone Brüssel-Süd wollen unter dem Eindruck der von RTBF gezeigten Bilder, dass der Fall erneut untersucht wird und ob gegen den Betroffenen neue Maßnahmen ergriffen werden müssen. Jurgen De Landsheer, der Korpschef der Polizeizone Brüssel-Süd gab gegenüber VRT NWS an, dass der Polizist nach den Vorfällen auch in den Innendienst versetzt worden sei.
"Disproportionale Gewalt"
Dass solche Bilder öffentlich gezeigt würden, sei ein starkes Signal, sagte die Kriminologie-Professorin Sofie De Kimpe von der Freien Universität Brüssel (VUB) dazu am Donnerstagabend in der VRT-Sendung „Terzake“ („Zur Sache“) und dies auch, weil diese Bilder von Polizisten selbst kommen: „Bei der Polizei herrscht noch immer eine große Schweigekultur. Das Problem der disproportionalen Gewalt kommt bei der Polizei auf allen Ebenen vor, doch es werden nur wenige Meldungen eingereicht.“
De Kimpe gibt dazu auch an, dass Polizisten, die vor Gericht erscheinen müssen, in erster Instanz zwar schuldig gesprochen werden, doch danach folge ein Freispruch: „Dadurch entsteht ein Gefühl der Straflosigkeit, wenn die Bereitschaft, solche Fälle zu melden, ist sehr gering. Das ist ein Problem bei allen Polizeikorps und es gibt eine große Dunkelziffer von Fällen, die nicht angegeben werden.“

