Jede Neubauwohnung in der belgischen Hauptstadt soll über einen Balkon oder über eine Terrasse verfügen. Dies ist in den neuen Regelung zum Städtebau der Region Brüssel-Hauptstadt festgeschrieben. Laut den belgischen Wirtschaftszeitungen De Tijd und L’Echo soll dieser neuen Regelung noch in der laufenden Legislatur zugestimmt werden. Doch das Vorhaben stößt auf Kritik.
Brüssel verpflichtet in Zukunft Terrassen oder Balkone bei Neubauten
Brüssels regionale Ministerin für Städtebau und Urbanismus, Ans Persoons (Vooruit.brussels) will diese neue Regelung auch und gerade im Rahmen der völligen Modernisierung und Auffrischung des benachteiligten Nordviertels umsetzen. Das „Good Living“ genannte Projekt wurde in der vergangenen Woche im Regionalparlament in zweiter Lesung behandelt. Nach einem noch ausstehenden Gutachten des Staatsrates soll „Good Living“ noch in dieser Regierungsperiode verabschiedet werden.
Einer der wichtigsten Punkte in „Good Living“-Projekt ist die Verbesserung der Wohnqualität in Brüssel. Im Rahmen dessen sind einige minimale Vorschriften festgeschrieben worden, worunter als auffallendste Forderung, dass jede Neubauwohnung in Zukunft über einen Balkon oder über eine Terrasse verfügen muss. Ausgenommen sind nur Wohnungen, die im Zuge von Gebäuderenovierungen in Appartements aufgeteilt werden.
"Keine ungewöhnliche Forderung"
„Die Brüsseler Regelung ist nicht so ungewöhnlich“, so Dirk Mattheuws, der Vorsitzende der flämischen Berufsvereinigung Netzwerk Vlaanderen, denn in Gent und in Antwerpen werde auch so vorgegangen.
Konkret bedeutet dies, dass jede Wohnfläche in neuen Gebäuden in der Brüsseler Region zu 10 % aus Außenfläche bestehen muss. Diese kann vollständig individuell pro Wohnung angelegt sein oder auch in Form von gemeinschaftlichen Außenräumen, wie Gärten oder Innenhöfen in Wohnkomplexen.
"Wird Wohnungen verteuern"
Kristophe Thijs vom Maklerverband CIB hingegen kritisiert diese Maßnahme, denn er befürchtet, dass dadurch die ohnehin sehr hohen Immobilienpreise in Brüssel noch weiter steigen werden. Er kritisiert dies auch und gerade, weil die belgische Hauptstadt von einer hohen Zahl an eher geringverdienenden Bürgern bewohnt wird.
„Brüssel sucht einen schwierigen Ausgleich. Jede Maßnahme, die wohnen besser machen soll, macht wohnen auch teurer. Ein Appartement mit Terrasse oder Balkon ist 20.000 bis 30.000 € teurer,“ so CIB-Vorstand Thijs.
