In Brüssel beginnt an diesem Montag ein besonders umfangreicher Drogenprozess, bei dem sich insgesamt 129 Angeklagte vor Gericht verantworten müssen. Die Verdächtigen flogen dank der sogenannten „SKY ECC“-Ermittlungen auf, bei denen die Polizei verschlüsselte Kommunikationsmittel der Kriminellen knacken und auswerten konnte. Der Prozessbeginn verzögerte sich, weil die Verteidigung eines Angeklagten Anfang November Berufung gegen den zuständigen Richter wegen Befangenheit einlegte, was aber verworfen wurde.
Mit einigen Wochen Verspätung beginnt in Brüssel Belgiens größter Drogenprozess
Bei dem Fall handelt es sich um Kokainschmuggel in großem Umfang. Die Sache kam ins Rollen, als der Polizei in Frankreich und in den Niederlanden gelungen war, verschlüsselte Kommunikation der Drogenschmuggler via Encrochat zu entschlüsseln. Zudem gelang es der Polizei in Belgien durch das Knacken von entsprechenden Kommunikationen via SKY ECC mit weiteren Informationen zu den Ermittlungen beizutragen.
So gelang es der Kripo der Bundespolizei in Brüssel im Oktober 2021 diese Bande aufzurollen. Dabei handelt es sich nicht um eine große Bande, sondern um mehrere miteinander kooperierende Gruppen.
Die Angeklagten stehen im Verdacht, Kokain im großem Stil aus Südamerika nach Europa geschmuggelt zu haben und zwar in Containern mit Hochseefrachtern und sogar mit Privatflugzeugen. In Belgien wurde das Kokain in Portionen verpackt und dann weiter in verschiedenen europäischen Ländern gedealt. Einmal mehr erwies sich unser Land als Drehscheibe für europaweiten Drogenhandel.
Umfassende Polizeiaktion
Nach der Analyse der Fakten griff die Polizei dann zu. Es gab Razzien und Hausdurchsuchungen an insgesamt 114 Adressen und es wurden 6 Drogenlabore ausgehoben. Die Ermittler beschlagnahmten tonnenweise Drogen und andere Stoffe, sowie ein gutes Dutzend Handfeuerwaffen, 57 Fahrzeuge, 300 Kubikmeter Rohtabak und 1 Mio. € an Bargeld.
Letztendlich mussten 129 Personen vor dem Haftrichter erscheinen, von denen sich 47 noch immer in Untersuchungshaft befinden. Die meisten der Verdächtigen haben die albanische Nationalität, doch es sind auch Kolumbianer, Algerier und Franzosen darunter, sowie ein Brüsseler Polizeiinspektor, der Informationen aus den Datenbanken der Polizei weitergab.
Bei dem Prozess handelt es sich um das größte Strafverfahren, dass es in Belgien jemals gegeben hat. Für den Prozess sind mindestens 5 Monate anberaumt.
