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N-VA-Abgeordnete Yngvild Ingels, die selbst jahrelang nach ihren leiblichen Eltern gesucht hatte
Inland
Politik

Justizminister kündigt Untersuchung der Zwangsadoptionen durch die katholische Kirche an

Justizminister Paul Van Tigchelt (Open VLD, flämische Liberale) ist der Ansicht, dass dringend untersucht werden muss, wie es möglich war, dass Tausende von Kindern zwangsadoptiert wurden, die alleinstehende Mütter zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den 1980er Jahren zur Welt brachten. Verantwortlich war hierfür die katholischen Kirche, die die jungen, unverheirateten Frauen damals zwang, ihre Neugeborenen zur Adoption freizugeben. Van Tigchelt antwortete auf eine parlamentarische Anfrage, die am Donnerstag in der Kammer des belgischen Parlaments gestellt wurde, nachdem die N-VA-Abgeordnete Yngvild Ingels (Foto), die selbst jahrelang nach ihren leiblichen Eltern gesucht hatte, eine ergreifende Erklärung abgegeben hatte.

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"Für Eltern, deren Kind adoptiert wurde, gibt es immer eine zentrale Frage: Wo ist unser Kind? Ich hätte meinen Eltern gerne gesagt, dass es mir gut geht und dass ich ein warmes Zuhause gefunden habe." Mit diesen Worten brachte die Abgeordnete Yngvild Ingels (N-VA,) die selbst adoptiert wurde, unter Tränen ihre Betroffenheit über die Enthüllungen im Podcast "Kinderen van de Kerk" (Kinder der Kirche) der Zeitung ‚Het Laatste Nieuws‘ zum Ausdruck. Die Abgeordnete erhielt großen Applaus von allen stehenden Parlamentariern.

Etwa 30.000 Neugeborene wurden von der katholischen Kirche an Adoptionseltern „verkauft“

Etwa 30.000 Kinder wurden von der katholischen Kirche ohne das Wissen ihrer Mütter gegen Geld zwangsadoptiert. Dies enthüllt der Podcast "Kinderen van de Kerk" von Het Laatste Nieuws, wo Mütter und Adoptivkinder zum ersten Mal über diese Vorfälle berichten. Jahrzehntelang wurden alleinstehende, schwangere junge Frauen gezwungen, ihre Kinder Adoptiveltern anzuvertrauen, die in der Regel hohe Geldsummen hierfür bezahlten. Das Geld kassierten Nonnenklöster.

Die Vorfälle ereigneten sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1980er Jahre. Schwangere und unverheiratete Frauen wurden in katholischen Heimen untergebracht, wo sie von Nonnen gedemütigt wurden. In einigen Heimen wurden die werdenden Mütter sogar sexuell missbraucht. Bei der Geburt wurden sie häufig unter Vollnarkose gesetzt oder mussten unter einem Bettlaken entbinden, woraufhin sie sofort von ihrem Baby getrennt wurden. Frauen wurden oft auch während der Geburt ohne ihre Zustimmung sterilisiert.

Die Kinder wurden dann für hohe Summen an Adoptivfamilien verkauft. Häufig wurden die Akten nicht archiviert und unter Umständen sogar vernichtet, was die spätere Wiedervereinigung von Müttern und ihren Kindern erschwerte und oft unmöglich machte.

Die belgischen Bischöfe reagierten auf diese Podcastserie und drückten ihr Mitgefühl für den Schmerz und das Trauma der Opfer aus. Die Kirche plädiert für eine unabhängige Untersuchung dieser Adoptionen. Erst dann könne eine eventuelle Entschädigung in Betracht gezogen werden.

Vier Priester suspendiert

Justizminister Paul Van Tigchelt teilte mit, dass bereits vier Priester suspendiert worden seien. Gegen vier weitere Priester, die möglicherweise in die Adoptionen verwickelt sind, liefen noch Ermittlungen.

Der Minister wies auch auf die laufende Arbeit des parlamentarischen Untersuchungsausschusses hin, der den Umgang mit sexuellem Missbrauch innerhalb und außerhalb der Kirche untersuchen soll, sowie auf die Möglichkeit, illegal adoptierte Kinder als Opfer von Menschenhandel anzuerkennen.

"Was geschehen ist, ist abscheulich. Diese Ereignisse müssen bis zum Äußersten untersucht werden", schloss Paul Van Tigchelt und äußerte seine Befürchtungen, dass diese Taten sonst möglicherweise verjähren könnten. Der Minister rief außerdem dazu auf, den für 2024 geplanten Besuch von Papst Franziskus in Belgien gut vorzubereiten, und fügte hinzu: "Die Opfer haben ein Recht darauf, zu erfahren, was wirklich geschehen ist".

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