Eine Studie der Universität Leuven (KUL) hat die Folgen der Entscheidung des Vereinigten Königreichs, die EU und den Binnenmarkt zu verlassen, für den Handel analysiert. Vor fast vier Jahren, am 1. Februar 2020, hörte das Vereinigte Königreich auf, Mitglied der Europäischen Union zu sein und Großbritannien (das Vereinigte Königreich ohne Nordirland) beendete seine Zugehörigkeit zum europäischen Binnenmarkt. Seitdem haben die Folgen des Brexit für die Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich Fragen und Bedenken aufgeworfen.
Brexit wirkt sich für das Vereinigte Königreich schlechter aus als für Belgien
Die Studie der KU Leuven belegt, dass der Brexit zwar negative Konsequenzen für den belgischen Handel hat, dass aber vor allem das Vereinigte Königreich mit weitaus negativeren Konsequenzen abrechnen muss. Die Wirtschaftsprofessorin Hylke Vandenbussche fand heraus, dass der Handel zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich zwischen 2018 und 2021 um rund 18 % zurückging, was ohne Brexit nicht der Fall gewesen wäre. Der allmähliche Rückgang des Handels begann aber schon im Jahr 2016.
Belgiens Warenexporte in das Vereinigte Königreich gingen um 13 % zurück. Dies entspricht einem Rückgang der Warenexporte um 4 Mrd. Euro und einem potenziellen Verlust von 28.000 bis 32.000 Arbeitsplätzen. Die durch den Brexit verloren gegangenen Arbeitsplätze haben sich jedoch nicht unbedingt in tatsächlichen Arbeitsplatzverlusten niedergeschlagen, da viele von ihnen einfach anderswo eingesetzt wurden. Die Unterstützung durch die Landes- und Bundesregierungen und die EU hat dazu beigetragen, dass die Unternehmen neue Märkte erschließen konnten.
Der Dienstleistungssektor ist widerstandsfähiger
Der Dienstleistungssektor in Belgien scheint vom Brexit weniger betroffen zu sein und at den Schock, den der Austritt eines unserer wichtigsten Handelspartner aus der EU verursachte, besser verkraftet.
Zwischen 2016 und 2021 gingen die Exporte des Dienstleistungssektors aus Belgien in das Vereinigte Königreich nur um 0,5 Milliarden Euro zurück. Der Reisesektor, die Kommunikations- und Baudienstleistungen schnitten nach dem Brexit schlechter ab, während Transport, Finanzdienstleistungen, Versicherungen und Computerdienstleistungen besser dastanden.
Lebensmittel und Getränke
In der gesamten EU gingen die Ausfuhren von Nahrungsmitteln und Getränken in das Vereinigte Königreich am stärksten zurück. Den zweitstärksten Rückgang verzeichneten die Ausfuhren von Fahrzeugen mit Benzin- oder Dieselmotor.
Der Export von pharmazeutischen Erzeugnissen, Maschinenteilen, Kunststoffartikeln, optischen Erzeugnissen und Elektroautos in das Vereinigte Königreich sind seit Ende 2019 dann wieder stark angestiegen.
Professorin Vandenbussche stellte außerdem fest, dass das Vereinigte Königreich, obwohl beide Seiten durch den Brexit verloren haben, proportional größere Verluste erlitten hat als die EU-Länder, mit denen es Handel treibt.
