Die belgische Regierung und der französische Energiekonzern Engie unterzeichnen an diesem Mittwoch offiziell einen Vertrag über die Verlängerung der Laufzeit von zwei belgischen Kernreaktoren. Die Vereinbarung wurde bereits im vergangenen Sommer getroffen, aber ein umfassender Vertrag wurde erst gestern Abend von allen Vize-Premierminister*innen genehmigt.
Belgische Regierung und Engie unterzeichnen Vertrag zur Verlängerung der Atomkraft und Energieversorgung
Im März 2022, kurz nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine, hatte die belgische Regierung beschlossen, die beiden jüngsten belgischen Kernreaktoren (Doel 4 und Tihange 3) zehn Jahre länger als geplant in Betrieb zu halten. Mit der Verlängerung der Laufzeit soll die Abhängigkeit Belgiens von ausländischen Erdgaslieferungen verringert werden.
In diesem Rahmen war eine Vereinbarung mit dem Kernkraftbetreiber Engie Electrabel erforderlich. Das Unternehmen bestand auf klaren Vereinbarungen über die Kosten für den Rückbau der Reaktoren und die Entsorgung des Atommülls. Nach mehr als einjährigen Verhandlungen einigten sich die Regierung und Engie Ende Juni auf ein so genanntes „No way back"-Abkommen.
Eine der letzten Hürden für den Engie-Deal ist nun genommen und heute folgt die offizielle Unterzeichnung mit Engie.
Energieministerin Tinne Van der Straeten (Groen) sagte gegenüber VRT, sie sei zufrieden, "dass wir dieses Kapitel abschließen können". Die Vereinbarung muss noch vom Staatsrat verabschiedet werden.
Der Inhalt des tausendseitigen Vertrags ist seit Juni in groben Zügen bekannt:
Die Reaktoren Doel 4 und Tihange 3 werden zehn Jahre länger in Betrieb sein als ursprünglich geplant. Sie werden auch im Winter 2025 und 2026 Strom produzieren, um die Versorgung sicherzustellen.
2025 wird ein anfänglicher Zielpreis für den Strom aus diesen Reaktoren festgelegt: Wenn die Marktpreise für Strom zu niedrig sind, wird die Regierung eine Subvention gewähren, aber wenn sie zu hoch sind, muss Engie die überschüssigen Gewinne zurückzahlen.
Die Kosten für die Stilllegung der Kernreaktoren wurden auf 8 Mrd. € festgesetzt. Für die Entsorgung des Atommülls muss Engie 15 Mrd. € aufbringen.
