Die belgische Polizei sprach von rund 4.000 Teilnehmern an dem Marsch gegen Antisemitismus. Mit der Kundgebung am Tag der Menschenrechte wollten sie zeigen, dass die Jüdische Gemeinschaft nicht allein sei. Der Marsch ging unter anderem an einer Synagoge und am Jüdischen Museum vorbei, wo 2014 vier Menschen bei einem Anschlag getötet wurden. Die Demo verlief ohne Zwischenfälle.
Die Teilnehmer trugen belgische Flaggen und Plakate mit Aufschriften wie „Man muss kein Jude sein, um gegen Antisemitismus zu kämpfen“ waren zu sehen.
Jüdische Organisation hätten festgestellt, dass Juden seit dem Ausbruch des Krieges zwischen Israel und der Hamas verstärkt Hass und Diskriminierung ausgesetzt seien. Allein in Antwerpen habe es bis Ende November rund 100 Beschwerden gegeben.
„Kinder, die erkennbar jüdisch sind, werden angespuckt und ihre Mützen abgeworfen. In öffentlichen Schulen hängen Hakenkreuze auf den Stühlen oder Büchern“, erklärt Regina Sluszny. „Das geht nicht, das ist für mich als Überlebenden des Zweiten Weltkriegs nicht akzeptabel.“ Vor einigen Wochen wurden in Charleroi 89 jüdische Gräber beschädigt.
Die Organisatoren des Marsches wenden sich nicht nur gegen Antisemitismus, sondern im weiteren Sinne „gegen alle Formen von Rassismus“. Sie verurteilten zudem „die Instrumentalisierung des Kampfes gegen Antisemitismus für rassistische und islamfeindliche Zwecke“.
Die Polizei der Brüsseler Hauptstadt Elsene war vor Ort, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Der Marsch verlief aber ruhig und ohne Zwischenfälle. Von einer Gegendemonstration war die Rede, zu der es jedoch nie kam.
Botschaft begriffen
Justizminister Paul Van Tigchelt (Open VLD, flämische Liberale) versichert, dass die Botschaft der Teilnehmer des Marsches gehört wurde. „Wir werden Antisemitismus niemals zulassen oder tolerieren“, sagte er in einer Pressemitteilung. „Jede offizielle Meldung wird rechtlich verfolgt.“
Van Tigchelt bestätigt „einen deutlichen Anstieg der Zahl bedrohlicher Vorfälle, von denen viele ein antisemitisches Motiv haben. Auch die Meldungen über Hassverbrechen gegen jüdische Mitbürger haben zugenommen“, hieß es. Die Teilnehmer des Marsches hätten zu Recht darauf aufmerksam gemacht, fügte der Minister hinzu. „Wir können nicht akzeptieren, dass Mitbürger Angst haben, ihre Häuser zu verlassen. Das trifft momentan jedoch auf viele jüdische Menschen zu.“
Die jüdische Gemeinde ist aufgerufen, jeden Fall von Antisemitismus anzuzeigen.
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sagte auf einer Veranstaltung zum jüdischen Chanukka-Fest in der europäischen Hauptstadt, es trete ein altes Übel wieder zum Vorschein. Für solchen antisemitischen Hass dürfe es keinen Platz geben, vor allem nicht in Europa.
