Das Hightech- und Chipforschungszentrum IMEC (Interuniversity Microelectronics Centre) in der flämischen Universitätsstadt Löwen in Flämisch-Brabant will bis etwa 2035 bis zu 1.950 zusätzliche Mitarbeiter anwerben, wenn das aktuelle Wachstum des Unternehmens so weitergeht, wie bisher. Dies meldete die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd in dieser Woche. Bisher arbeiten rund 5.500 Beschäftigte für IMEC. Knapp 4.000 von ihnen sind am Campus in Löwen tätig.
IMEC wurde 1984 gegründet und gilt als Spin-off der Löwener Universität (KU Leuven). Bis heute nehmen zahlreiche Unternehmen die Test- und Forschungskapazitäten von IMEC in Anspruch. In Sachen Mikrochips bzw. Halbleiter gehört das Unternehmen neben Leti in Frankreich und dem deutschen Fraunhofer-Institut zur Speerspitze in der Europäischen Union.
Und hier geht es konkret um den „Chips Act“ – die Planung der EU, um hier das Herzstück der Produktion und des Exports von Mikrochips anzusiedeln. Die Union will ihre eigene Kapazität bei der Herstellung von Halbleitern bis 2030 mindestens verdoppeln, um nicht länger abhängig von anderen Staaten zu sein, die nicht unbedingt die gleichen Interessen vertreten, wie die EU.
750 Mio. € von der EU für IMEC – 750 Mio. € von Flandern
Im vergangenen Sommer übergab Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission, IMEC einen Scheck über 750 Mio. € und die flämische Landeregierung überwies dem Unternehmen die gleiche Summe für den Bau eines neuen Cleanrooms. Das ist ein völlig staubfreier Raum, der für die Produktion von Halbleitern zwingend notwendig ist.
IMEC setzte 2022 rund 846 Mio. € um und zahlt als Mieter dieses Cleanrooms die Mittel aus der flämischen Landeskasse wieder zurück. Als Partner steuert das niederländische Unternehmen ASML aus Eindhoven die Maschinen, mit denen in dieser Hinsicht geforscht wird, bei und zwar kostenfrei. Die entsprechende Summe, die ASML damit investiert, beläuft sich auf ebenfalls rund 750 Mio. €.
Die bauliche Arbeiten beginnen bereits 2025
IMEC wird zu diesem Zweck in den kommenden Jahren einige zusätzliche Gebäude bauen, womit schon 2025 begonnen werde soll. Die langfristigen Ziele hat IMEC in einen Masterplan gegossen, wie CEO Luc Van den hove gegenüber De Tijd sagte: „Der Masterplan ist ein maximales Szenario, eine Einschätzung nach unserem besten Wissen und Gewissen, der sich abhängig von den Gewinnen durchsetzen soll.“
Die fast 2.000 neuen Arbeitnehmer sollen bei IMEC in allen möglichen Funktionen eingesetzt werden, so Van den hove weiter: „Es handelt sich um Operatoren, um Unterhaltspersonal für die Technik, um Forscher in den Bereichen Physik und Chemie, um Ingenieure usw. Wir erhöhen auch die Zahl der Doktoranden, denn wir haben eine wichtige Verantwortung in der Entwicklung von Mehrwerten. In diesem Sinne werden wir unsere Zusammenarbeit mit Universitäten weiter ausbauen.“
"Dank IMEC kommt Belgien hier auf die Landkarte"
„Man kann IMEC ein Kooperationslabor nennen“, so Tobias Gehrke, Experte für Geo-Ökonomie des Denktanks European Council of Foreign Relations gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen: „Hier passiert akademische Forschung. Gleichzeitig wird hier voll und ganz mit den Produzenten von Mikrochips zusammengearbeitet. Dabei handelt es sich vor allem um europäische Unternehmen, aber auch um bekannte amerikanische Firmen, wie Intel. Das macht aus IMEC ein unverzichtbares Zahnrad in der globalen Industrie. Belgien hat keine starke Chip-Industrie, doch dank IMEC kommt Belgien hier auf die Landkarte.“
Der Cleanroom von IMEC gilt als eine der kompliziertesten Maschinen, die jemals entwickelt wurden. Er kostet um die 150 Mio. €. In ihm wurden mehr als 100.000 Hightech-Einzelteile verbaut. Eines davon, ein Spiegel für extreme ultra-violette Strahlung, ist so genau, dass man damit einen Golfball auf dem Mond anvisieren könnte. Und der liegt rund 400.000 Kilometer vom IMEC-Cleanroom in Löwen entfernt…
