Vor fast 10 Jahren ist der frühere belgische Premierminister Jean-Luc Dehaene von den flämischen Christdemokraten CD&V gestorben. Doch jetzt geht Dehaene wieder in den Wahlkampf. Dabei half der CD&V die Künstliche Intelligenz (KI). In einem KI-Video bittet Jean-Luc Dehaene darum, dass die Gesellschaft ihren Fokus wieder mehr auf das Thema Respekt legen soll.
"The beast is back" - Flanderns Christdemokraten lassen Ex-Premier Jean-Luc Dehaene durch KI auferstehen
Im KI-Video der CD&V ist Jean-Luc Dehaene etwas dicker als der echte Ex-Premier und die Sprüche, die er in dem Filmchen klopft, sind nicht seine eigenen. Sie sind deutlich weniger deftig. Und das hat seinen Grund, denn in diesem Video geht es schließlich um Respekt.
Zur Erinnerung: Das Ganze ist Fake und KI, doch die flämischen Christdemokraten halten das Video, mit dem sie sich den Wählern stellen (am 9. Juni 2024 werden in Belgien die Parlamente in Bund, Ländern und Regionen neu gewählt), für eine gelungene Sache.
(Lesen Sie bitte unter dem Video - in niederländischer Sprache - weiter)
Aber geht es hier wirklich um Respekt? Um Respekt vor dem Privatleben der Familie Dehaene? Ja, eindeutig, denn die Familie des ehemaligen politischen Schwergewichts hat ihre Zustimmung gegeben, allen voran dessen Sohn Tom, der noch immer für die Partei tätig ist.
Und so kommt es, dass der Premierminister, der das Belgien der 1990er Jahre maßgeblich prägte (so mancher hält ihn heute noch für den besten Regierungschef, den unser Land seit dem Krieg hatte), wieder auferstehen konnte. Er selbst allerdings gehörte nie zur digitalen Generation, wie er 2014, kurz vor seinem Tod, mitten im Wahlkampf andeutete…
Ob diese Aktion der CD&V bei den Wahlen im Juni 2024 Stimmen bring, sei dahingestellt. Das KI-Video findet bei weitem nicht überall Zustimmung. Politische Kommentatoren stellen die Frage, ob dies ethisch korrekt ist und in den sozialen Medien wird heftig kritisiert, dass man verstorbene Personen im Wahlkampf und auf diese Art und Weise nutzt.
Dave Sinardet, Politikwissenschaftler an der Brüsseler VUB-Uni, hält das Ganze nicht nur ethisch für fraglich, sondern auch auf Ebene der politischen Kommunikation: "Ich hoffe, dass wir nicht zu einem Wahlkampf über das Grab kommen. Ich befürchte das Schlimmste bei Wahlkampfformen wie dieser."

